Erstellt am 29. Juni 2011, 00:00

 Konkurrenz: „Aktion.  KONTROLLE / Die Wirte-Vertretung setzt sich nun mit Detektiven

Franz Perner und Helmut Tury (v.l.) vor den gesammelten Erhebungsberichten der vergangenen drei Jahre. Nun will die Wirtschaftskammer mit Detektiven gegen all jene Buschenschenken und Veranstalter Anzeige erstatten, die sich nicht an die Gesetze halten. SEEBACHER  |  NOEN
x  |  NOEN

VON DORIS SEEBACHER

Die burgenländischen Wirte haben es vor allem in der warmen Jahreszeit besonders schwer. Denn genau dann ist die Zeit, in der sie von Buschenschenken, Zeltfesten und anderen Open-Air-Veranstaltungen große Konkurrenz bekommen.

Perner: „Viele Heurige  fungieren als Discos“

 

„Es gibt rund 350 Dreitages-Großveranstaltungen und 500 eintägige Kleinveranstaltungen“, weiß Franz Perner, Geschäftsführer der Sparte Tourismus. Und nicht überall geht es mit rechten Dingen zu. Denn oft finden Veranstaltungen ohne Gewerbeberechtigung statt, oder Buschenschenken missachten ihre Öffnungszeiten.

„Laut Schätzungen sind bei der Hälfte der Buschenschenken Ausschank- und Verabreichungsüberschreitungen an der Tagesordnung“, so Perner. Ein Beispiel: „Ein Heuriger sperrt um Mitternacht zu und agiert dann bis vier Uhr früh als Disco – und nimmt somit der ortsansässigen Disco viele Kunden weg.“

Auch untereinander stehen sich die Heurigen oft im Weg. „Nicht selten kommt es vor, dass ein Buschenschank plötzlich aufsperrt, weil sich eine Busladung mit Touristen ankündigt“, so Perner. Buschenschenken müssen ihre Öffnungszeiten jedoch 14 Tage vorher anmelden.

Detektive werden mit  Kontrollen beauftragt

 

Mit eigenen Detektivbüros will die Wirtschaftskammer nun diesen ausufernden Gesetzesübertretungen den Kampf ansagen. „Diese Aktion richtet sich nicht gegen gemeinnützige Veranstaltungen“, betont Spartenobmann-Stellvertreter Helmut Tury ausdrücklich. „Jedoch kann es nicht sein, dass Burschenschaften regelmäßig Feste veranstalten und mit dem Erlös dann nach Mallorca düsen“, nennt er nur ein Beispiel von vielen, bei denen von Gemeinnützigkeit keine Spur mehr sei. Bei den südburgenländischen Gastronomen sind die Reaktionen auf die „Aktion scharf“ der Wirtschaftskammer gemischt. Bei einem Rundruf der BVZ kam vor allem eines zutage: Kaum einer der Wirte will es sich mit Vereinen verscherzen. „Nein, da sag ich nichts dazu, viele meiner Kunden sind Mitglieder bei Vereinen“, wehrten einige Gastronomen ab. Anders Rudolf Pummer aus Heiligenkreuz: „Ich finde es vollkommen richtig, dass die Wirtschaftskammer verstärkt kontrolliert. Wir Gastronomiebetriebe haben auch unsere Auflagen und müssen uns daran halten.“ Eine ähnliche Meinung hat Gastronomin und Hotelier Sandra Spiegel aus Bad Tatzmannsdorf – wenn auch mit Einschränkungen: „Wir im Tourismus sind froh, wenn es hochqualitative Most- und Buschenschenken gibt, sie gehören zum Kulturgut. Solange die Rahmenbedingungen für alle gleich sind, sprich alle Auflagen eingehalten werden, sehe ich kein Problem.“

„Wir geben Gemeinschaft  auch etwas zurück“

 

Vor Kontrollen hat Hans Stangl, Obmann vom Weinbauverein Winten, keine Angst: „Wir arbeiten ordentlich, der Lebensmittelinspektor oder die Detektive können gerne kommen.“ Stangl gibt aber zu bedenken, dass „man zwischen Veranstaltungen unterscheiden muss: Bei unserem Fest zum Beispiel opfern wir nicht nur unsere Freizeit, sondern geben der Gemeinschaft auch etwas zurück“. Gegen eine „Aktion scharf“ aber für Kontrollen mit Maß und Ziel ist Georg Gossi vom Restaurant „Heimart“ in Oberwart: „Nur dann, wenn auch zum Wohle jener kontrolliert wird, die die Heurigenkultur im eigentlichen Sinne betreiben, sind Kontrollen zielführend. Sprich im Sinne jener, die regionale Produkte vermarkten. Gegen die Großbetriebe, die ihre Gäste mit Fertigprodukten abspeisen, sollte etwas gemacht werden.“ Es bringe nichts, wenn „Gastwirte Heurigenbetriebe als Konkurrenz wahrnehmen, denn wenn wir ein kulinarisches Erbe in unserer Gegend haben, dann ist das die Buschenschank-Kultur“. Es mache auch keinen Sinn, die Kunden um Punkt Mitternacht aus dem Heurigen zu werfen: „Sinnvoll wäre, wenn aus dem bestehenden Graubereich ein weißer würde.“