Erstellt am 31. Januar 2012, 13:42

Krise ist im Handel angekommen. Im vergangenen Jahr hat es im österreichischen Einzelhandel praktisch nur Verlierer gegeben. Sieht man vom Elektrohandel (+1,2 Prozent) und Drogerien/Parfümerien (+0,5 Prozent) ab, gab es Umsatzrückgänge in allen Branchen.

Besonders hart traf es Schuhhändler (-8,5 Prozent), Sportartikelgeschäfte (-3,9 Prozent), Bekleidungshändler (-3,8 Prozent) und Buch- bzw. Schreibwarengeschäfte (-2,7 Prozent).

Auch die größte Sparte, der Lebensmittelhandel, blieb mit einem Minus von 0,7 Prozent unter dem Jahr 2010. Größere Betriebe und Unternehmen im Westen standen tendenziell besser da als kleinere und Firmen im Osten oder Süden. Im EU-Vergleich schneidet Österreich schlecht ab.

Während die modischen Branchen unter stets falschem Wetter zur falschen Zeit litten, macht dem Buchhandel die Kundenabwanderung Richtung Internet zu schaffen. Die zentrale Frage für heuer laute: "Welche Sparmaßnahmen stehen ante portas?", sagte Peter Voithofer von der KMU Forschung Austria am Dienstag bei der Präsentation der Zahlen. Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch hofft, dass die Politik das "zarte Konjunkturpflänzchen nicht wieder abwürgt".

In Summe erwirtschaftete der Einzelhandel im Vorjahr netto 51,2 Mrd. Euro, nominell entspricht das einem Zuwachs um 1,2 Prozent, real (inflationsbereinigt) allerdings einem Rückgang um 1,7 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis innerhalb der vergangenen sechs Jahre. Auch das Weihnachtsgeschäft konnte das Ruder nicht mehr herumreißen. Zwar wurde der Rekordwert des Jahres 2010 von 1,57 Mrd. Euro erreicht, aber nicht wie erhofft übertroffen. Ab dem 4. Einkaufssamstag sei die Kauflaune der Konsumenten zurückgegangen, meinte Voithofer.

Im europäischen Vergleich steigt Österreich schlecht aus. Nach Eurostat-Daten entwickelte sich der heimische Einzelhandel im Zeitraum Jänner bis November 2011 mit Ausnahme von Juni und August schwächer als in der EU-27. So recht erklären kann man sich das nicht. Ganz allgemein zeige sich, dass ein zunehmend geringerer Anteil des privaten Konsums in den Einzelhandel fließe, so Voithofer.