Erstellt am 20. September 2013, 11:04

Küberl: Sozial Schwache aus "Energiefalle" holen. Caritas-Präsident Franz Küberl ruft erneut dazu auf, sozial schwache Menschen aus der "Energiefalle" zu befreien.

In Österreich würden rund 500.000 Menschen in manifester Armut leben, und rund 200.000 von ihnen könnten im Winter ihre Wohnung nicht warm halten, sagte Küberl bei der Verbund-Tagung "energy 2050" in Fuschl (Salzburg).

In den letzten knapp vier Jahren hat der im Herbst 2009 ins Leben gerufene "Stromhilfefonds" von Verbund und Caritas bereits 1.900 Menschen unmittelbar helfen können, berichtete Küberl. Bis Weihnachten 2012 waren es rund 1.200 gewesen.

Manchmal ist "der Fön die einzige Heizquelle"

Mit der Aktion unterstütze man Menschen, damit ihnen der Strom nicht abgeschaltet werde, wenn sie die Rechnungen nicht bezahlen könnten und gebe ihnen eine Energieberatung. Es sei eine Tragik, dass gerade ärmere Menschen in besonders schlecht isolierten Wohnungen leben müssten.

Sie hätten oft schlecht beheizbare Zimmer "mit drei Außenwänden", und manchmal sei "der Fön die einzige Heizquelle", erzählte der Caritas-Präsident aus der Praxis: "Zwei Drittel der Leute, mit denen wir zu tun haben, nehmen aber den Kick der Energieberatung an. Sie können sich im Jahr im Schnitt 300 Euro ersparen." Für dieses Klientel wäre eine monatliche Rechnung aussagekräftiger als etwa eine vierteljährliche, regte Küberl an.

Branchen-Interessensverband wies Kritik zurück

Sozial schwachen Menschen den Strom abzuschalten sei "das Dümmste", stellte der Caritas-Präsident die Frage in den Raum, wie denn Energieversorger künftig überhaupt mit derart Betroffenen umgehen sollten.

"Die Netzbetreiber sind nicht schnell mit der Abschaltung, das ist immer erst die letzte Möglichkeit", wies die Generalsekretärin des Branchen-Interessensverbandes Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, die Vorwürfe zurück.

Jetzt habe der Gesetzgeber festgelegt, dass es Abschaltungen etwa vor Ferientagen oder Wochenenden nicht geben dürfe, "aber die E-Wirtschaft hat das schon vorher kaum oder gar nicht getan", so Schmidt. Und auch bei der Energieberatung ihrer Kunden seien die Versorger schon immer aktiv gewesen.