Erstellt am 02. März 2012, 09:15

Küchenausrüster WMF vor Verkauf. Der deutsche Kochgeschirr- und Besteckhersteller WMF steht Finanzkreisen zufolge vor dem Verkauf. Der schweizerische WMF-Mehrheitseigentümer, der Finanzinvestor CapVis, suche gerade eine Bank, die den Prozess vorbereite und organisiere, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen.

Noch konkreter sind die Pläne von CapVis, den Sicherheitstechnik-Hersteller Bartec aus Bad Mergentheim loszuschlagen. "Es ist möglich, dass wir den Verkauf von Bartec in den nächsten Monaten starten", sagte CapVis-Manager Daniel Flaig der Nachrichtenagentur Reuters. Die Commerzbank und die Investmentbank William Blair sollen den Prozess begleiten, wie drei Insider sagten.

WMF ist an der Börse 486 Mio. Euro wert, beim Verkauf hofft CapVis den Firmenwert auf 500 bis 600 Mio. Euro zu treiben. Allerdings halten die Schweizer nur 52 Prozent an dem Unternehmen aus Geislingen an der Steige, für das sie 2006 nur 92 Mio. Euro gezahlt hatten. 37 Prozent liegen bei der österreichischen Beteiligungsfirma Fiba, die sich damals gegen den Einstieg von CapVis gesträubt hatte. "Für jeden Käufer wird es entscheidend sein, seine Interessen mit Fiba abzustimmen", sagte einer der Insider.

WMF hat erfolgreiche Jahre hinter sich, auch dank des Einstiegs ins Geschäft mit Kaffeemaschinen für Hotels und die Gastronomie. Der Umsatz des Unternehmens mit 6.000 Mitarbeitern kletterte 2011 um neun Prozent auf 980 Mio. Euro, in diesem Jahr soll die Milliardenschwelle überschritten werden. In der Vergangenheit haben den Kreisen zufolge der WMF-Konkurrent Fackelmann und der österreichische Investor Rene Benko Interesse gezeigt, der um die Metro-Kaufhauskette Kaufhof buhlt. Weitere WMF-Rivalen sind Villeroy & Boch, Itala und Robbe & Berling.

Auch eine Platzierung der WMF-Anteile von CapVis über die Börse sei möglich, hieß es in den Kreisen. Bisher liegt der Streubesitz nur bei elf Prozent. Alle Beteiligten wollten sich nicht äußern.

Auch für Bartec peilt CapVis den Informationen zufolge einen Firmenwert von 540 bis 600 Mio. Euro an. Das Unternehmen aus Baden-Württemberg mit mehr als 1.000 Mitarbeitern könnte Wettbewerber wie Cooper Industries, Hubbell, Ametek, Thomas & Betts oder den schwäbischen Nachbarn R. Stahl ebenso anziehen wie Industrie-Konglomerate wie Siemens, ABB oder General Electric. Flaig sagte, CapVis stehe nicht unter Druck, Bartec rasch zu verkaufen. CapVis hatte sich erst 2008 an Bartec beteiligt.

Die Firma produziert besonders gesicherte Geräte, Apparate und Schaltungen für den Einsatz in explosionsgefährdeten Räumen, etwa in der Bergbau-, der Öl- oder der Chemieindustrie. Bartec hat im vergangenen Jahr mit rund 300 Mio. Euro Umsatz einen operativen Gewinn (Ebitda) von etwas mehr als 50 Mio. Euro erwirtschaftet. 2012 soll er auf 60 Millionen Euro steigen.