Erstellt am 16. November 2011, 00:00

Kündigungen mit System. BETRUG / Immer mehr Firmen versuchen, Dienstnehmer bei geplanten Operationen oder Kuraufenthalten vorher zu kündigen.

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VON DORIS SEEBACHER

Jährlich treffen bei der Burgenländischen Gebietskrankenkasse (BGKK) bis zu 400 Kündigungen von Dienstgebern ein, die damit einer Gehaltsfortzahlung für kranke Mitarbeiter entgehen wollen. Diese wird damit an die BGKK abgewälzt. „Heuer sind es bereits um zehn Prozent mehr als im Vorjahr“, kritisiert Christian Moder, Direktor der BGKK, jene Unternehmen, die den gekündigten Personen versprechen, sie nach dem Krankenstand oder nach der Kur wieder anzustellen. Vor allem in Niedriglohnbranchen und in Saisonbetrieben sei dies gang und gäbe. „Weil hier der Arbeitsmarkt ausreichend neues Personal hergibt“, erklärt Moder. Und warum steigen Arbeitnehmer auf diesen Deal ein? „Weil sie Angst um ihren Job haben“, so Moder.

Statt Krankenstand  fristwidrig gekündigt

 

Die Arbeiterkammer Burgenland (AK) weiß um diese Probleme Bescheid. „Es vergeht keine Woche, ohne dass wir einen Anruf zu diesem Thema erhalten“, heißt es aus der AK-Arbeitsrechtsabteilung. Die Auflösung von Arbeitsverhältnissen vor und im Krankenstand ist zu einer ernsthaften Bedrohung für Arbeitnehmer geworden. „Die Arbeitnehmer werden bei längeren Krankenständen gekündigt, zu einvernehmlichen Lösungen genötigt oder mit einer schwammigen Wiedereinstellungszusage beruhigt“, so AK-Präsident Alfred Schreiner. Er nennt als Beispiel einen aktuellen Fall eines Bauarbeiters, der bei einem Unternehmen im Nordburgenland beschäftigt war. „Als er krank wurde, hat er sich krankgemeldet und bei der Übergabe der Arztbestätigung an das Unternehmen wurde ihm mitgeteilt, dass ihm bereits gekündigt wurde“, so Schreiner. „Das Unternehmen hat der Krankenkasse einen ‚unberechtigt vorzeitigen Austritt‘ des Arbeitnehmers gemeldet, obwohl eine fristwidrige Arbeitgeberkündigung vorlag“, so der AK-Präsident. Erst nach Intervention erhielt der Arbeiter Geld von seinem Ex-Chef nachbezahlt.