Erstellt am 29. August 2011, 11:15

Kundgebung gegen dritte Piste auf Flughafen Wien. Im Multiversum in Schwechat hat am Montag die mündliche Verhandlung zum geplanten Bau einer dritten Piste auf dem Flughafen Wien begonnen. Etwa 250 Personen trugen sich in der Früh in die Teilnehmerlisten ein. Noch vor Beginn der Verhandlung machten in Schwechat rund 100 Gegner des Projekts bei einer Kundgebung auf sich aufmerksam. "3. Piste in die Kiste" war u.a. auf Transparenten zu lesen.

Unter den Demonstranten war auch Madeleine Petrovic, Klubobfrau der Grünen im NÖ Landtag. Sie unterstützte die "Bürgerinitiative Lebenswertes Enzersdorf a.d. Fischa" (BILEF). Die dritte Piste sei ein "ökologischer Anschlag" auf eine Region, die durch Lärm, Staub und Ozon ohnehin schon schwer geprüft sei, so die Politikerin. Überdies sei das Projekt "unnötig". Auf Bannern war auch zu lesen: "Ständiger Lärm gefährdet unsere Gesundheit!" oder "Flug - Bahn - Straße. Das ist uns zuviel!"

Die öffentliche Verhandlung wird von Juristen der Abteilung Umweltrecht (UVP-Behörde) beim Amt der NÖ landesregierung geleitet. Ebenfalls auf dem Podium nahmen 36 Sachverständige - auch aus dem Ausland - Platz, die das 2.300 Seiten starke Umweltverträglichkeitsgutachten erstellt haben. Demnach gilt die "Parallelpiste 11R/29L" als umweltverträglich.

Die Start- und Landebahn soll 3.680 Meter lang sein und sich 2.400 Meter südlich parallel zur bestehenden Piste 11L/29R befinden. Zur Realisierung des Projektes bedarf es laut Abteilung Umweltrecht beim Amt der NÖ Landesregierung auch einer Verlegung der B10 (Budapester Straße) auf einer Länge von knapp 7,5 Kilometern.

Für Flughafen Wien gibt es keine Alternative
Zur dritten Piste gebe es "nach unserem Dafürhalten" keine Alternative, stellte der scheidende Interimschef der Flughafen Wien AG, Christoph Herbst, am Montagnachmittag bei der mündlichen Verhandlung zu dem Projekt fest. Keine dritte Start- und Landsbahn wäre "nicht ein Genickbruch". Aber der Airport müsste sein Geschäftsmodell umstellen - vom Hub zum "normalen Flughafen" mit Punkt-zu-Punkt-Verkehr.

Mit dem Projekt gehe es insbesondere um "höhere Kapazität in der Spitzenstunde", führte Herbst aus. Das sei ein wichtiger Faktor, um ein leistungsfähiges Drehkreuz betreiben zu können. Als solches, insbesondere nach Osteuropa (mit 40 Destinationen), sehe sich der Flughafen Wien. In der Spitzenzeit seien derzeit 68 bis knapp über 70 Flugbewegungen pro Stunde möglich. Mit einer dritten Piste wären es bis zu 100.

Ein Mangel an Kapazität führe zu Qualitätsverlust, so Herbst weiter. Er verwies in diesem Zusammenhang auch darauf, dass Frankfurt im Oktober eine vierte, München vermutlich 2015 eine dritte Piste in Betrieb nehmen werde.

Herbst erläuterte nicht zuletzt, dass Bratislava keine Alternative zu einer weiteren Start- und Landebahn in Wien sein könne. Dies vor allem deshalb, weil die Home-Carrier AUA und Niki keine zwei Drehkreuze betreiben würden. Deshalb gehe es darum, "Kapazität und Qualität" in Wien zu bieten.