Erstellt am 21. März 2013, 14:36

Kurzfristig keine Entspannung am Arbeitsmarkt. Gegen die derzeit rekordhohe Arbeitslosigkeit in Österreich - trotz gleichzeitiger Rekordbeschäftigung - gibt es kein kurzfristig keine Abhilfe.

Das räumten die Chefs von Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und Institut für Höhere Studien (IHS), Karl Aiginger und Christian Keuschnigg, am Donnerstag bei der Vorlage der neuen Konjunkturprognose ein.

Die Wirtschaftserholung sei zu schwach, um die Arbeitslosigkeit zu senken, allerdings weise Österreich weiterhin den niedrigsten und damit besten Wert in der gesamten EU auf. Am Arbeitsmarkt werde das "Mismatch" - das Auseinanderklaffen von Angebot und Nachfrage - immer größer, konstatierte Aiginger.

Die Beschäftigung steige zwar heuer um 22.000 Unselbstständige und 2014 nochmals um 32.000 auf einen Stand von 150.000 über dem Vorkrisen-Niveau, wobei zwei Drittel dieses Zuwachs durch Ausländer kommen sollen. Allerdings steige gleichzeitig die Arbeitslosigkeit weiter um 17.000 heuer auf (ohne Schulungen) 278.000 Menschen und nochmals 3.000 auf 281.000 kommendes Jahr. Hinzu kämen nochmals 70.000 bis 73.000 in Schulung befindliche Personen, womit man auf brutto 350.000 Menschen ohne Job komme.

Diese 350.000 ohne Job seien "ein neuer unerfreulicher Sockel", sagte der Wifo-Chef. Nach nationaler Rechnung werde die Arbeitslosenquote nach 7,0 Prozent im Vorjahr auf 7,4 Prozent 2013 und 2014 klettern - nach Eurostat-Definition von 4,4 auf 4,8 Prozent ebenfalls in beiden Jahren. Das sei die niedrigste Quote in Europa. Und gleichzeitig befinde sich die Beschäftigungsquote mit 73 Prozent, wie auch die Arbeitslosigkeit, auf Rekordhoch - um zwei Prozentpunkte höher als im Jahr 2000.

Kurzfristig könne man am Arbeitsmarkt kaum gegensteuern, außer über Schulungen und eine intensivere Vermittlungstätigkeit des AMS, räumten die Leiter von Wifo und IHS ein. Umschulungen oder die Anhebung von Qualifikationen könnten kurz- wie mittelfristig wirken, so Keuschnigg. Man könne aber auch die Arbeitszeit "anders verteilen", erinnerte Aiginger an frühere Aussagen, denn mehr Menschen wollten weniger arbeiten und weniger Menschen mehr.

Letztlich gehe es aber, auch zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich, um die Unterstützung von Wachstumsfaktoren wie Bildung, Qualifikation und Innovationen durch die Politik, fügte Keuschnigg hinzu. Denn die Beschäftigungszuwächse um 0,5 Prozent heuer und 0,9 Prozent 2014 reichten nicht aus, die Arbeitslosenquoten zu reduzieren.