Erstellt am 08. November 2011, 10:36

Lauda steigt mit Privatstiftung aus "Niki" aus. Niki Laudas Privatstiftung zieht sich aus der "Niki Luftfahrt GmbH" zurück. Das haben Lauda und der bisherige Hälfteeigentümer Air Berlin am Dienstag bekanntgegeben. Niki Lauda wird nun als Non-Executive Director in den Bord von Air Berlin berufen.

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Zum zweiten Mal hat Niki Lauda eine von ihm gegründete Airline verkauft. Ende der 90er Jahre hat Lauda die damalige Lauda Air an den Erzrivalen AUA abgetreten. Jetzt zieht er sich komplett als Aktionär seiner Billigairline "Niki Luftfahrt GmbH" (flyniki) zurück. Laudas bisher über seine Privatstiftung gehaltene "Niki"-Mehrheit von 50,1 Prozent wandert an Air Berlin. Die Deutschen hielten seit dem Vorjahr schon 49,9 Prozent. Ab Jahresende sind es nun 100 Prozent. In der Sitzung am 7. Dezember zieht Andreas Nikolaus Lauda in den "Board" (Verwaltungsrat) von Air Berlin ein.

Der frühere Formel-1-Star hatte im November 2003 die Österreich-Tochter der damals in Konkurs gegangenen deutschen Gesellschaft Aero Lloyd übernommen und daraus die Niki Luftfahrt GmbH als neuen Billigfluganbieter am österreichischen Markt gegründet.

Anfang 2004 beteiligte sich Air Berlin mit zunächst 24 Prozent. 2010 verkaufte Lauda für 21 Mio. Euro weitere 25,9 Prozent an Air Berlin. Allerdings bekam Air Berlin damit die Option auf alles, denn für ein zugleich gewährtes 40-Millionen-Darlehen der Deutschen diente der Hälfteanteil der Lauda-Stiftung als Pfand. Damit wurde "Niki" bei Air Berlin auch schon vollkonsolidiert. Der Kredit an Laudas Stiftung floss vor mehr als einem Jahr, wurde aber nicht für eine Kapitalerhöhung eingesetzt. Damit blieb die Übernahme der verbliebenen Aktien für Air Berlin jetzt "ein Nullsummenspiel", wie in einer Pressekonferenz am Dienstag erklärt wurde.

Heuer will "Niki" bei 4,3 Millionen Passagieren 430 Mio. Euro umsetzen. Es werden rund 800 Leute beschäftigt. Zu den derzeit 21 Flugzeugen sollen 2012 zwei weitere dazukommen. Die rund zehnmal größere Air Berlin schreibt heuer hohe Verluste, Vorstandschef Hartmut Mehdorn will aber 2012 aber schwarze Zahlen sehen. Lauda selbst sprach von "zweistellig positiven" Zahlen bei seiner Airline, das Ergebnis (Ebit) wird mit rund 12 Mio. Euro beziffert.

"Air Berlin übernimmt 100 Prozent von Niki", fasste Lauda vor Journalisten mit Mehdorn in Wien zusammen. Aus verkehrsrechtlichen Erwägungen wird für die Darstellung der österreichischen Mehrheit weiterhin eine österreichische Stiftung gewählt. Die Zwischengesellschaften sind gerade in Gründung. Es ist im wesentlichen das gleiche Modell wie bei AUA und Lufthansa, das von Lauda selbst jahrelang heftig kritisiert worden war.

Air-Berlin-Vorstandschef Mehdorn versicherte, dass die Marke "Niki" bleibt und dass der Flughafen Wien als das vierte Drehkreuz von Air Berlin ausgebaut wird. Lauda und Mehdorn drängten heute auf den Bau der dritten Piste in Wien. Lauda hofft, dass er nicht vorher gestorben ist, bis es damit etwas wird.

Beim Restrukturierungsprogramm, das Air Berlin derzeit fährt, ist laut Mehdorn "die ganze Familie gerufen". Auch bei Niki gebe es Möglichkeiten, Kosten zu sparen. Beim Block "Operations" etwa sollen 7 bis 8 von 50 Millionen, die Air Berlin einsparen will, von Niki kommen. Ein Personalabbau bei Air Berlin sei derzeit nicht geplant, aber auch nicht ausgeschlossen. Mehdorn glaubt aktuell allerdings nicht, dass Niki davon betroffen wäre. Die Gefahr, dass an Bord der "Niki"-Maschinen das Do&Co-Catering dem Sparstift zum Opfer fällt, bestehe nicht. Mehdorn: "Dieses Gerücht gibt es seit sieben Jahren. Solange Niki neben mir sitzt, findet das nicht statt".

Air Berlin leidet laut Mehdorn an Buchungsrückgängen, die auch der Eurokrise geschuldet seien. "Bei den Morgennachrichten gefriert einem ja das Blut in den Adern, da wird den Menschen das Reisen vermiest." Lauda ist überzeugt, dass er ohne Air Berlin nie so weit gekommen wäre wie jetzt. Er macht sich keine Sorgen um den Aktionär und Partner. Der Airline-Konkurrenz richtete Niki Lauda aus, "der lästige Molch Lauda ist nicht weg". Und er gehe nicht in Pension. Der langjährige Flugunternehmer will auch weiterhin Flugzeuge selber fliegen. Und im Air-Berlin-Führungsgremium sei er als "unabhängiges" Board-Mitglied für Niki verantwortlich.