Erstellt am 06. September 2011, 11:30

Lehrlingssuche wird für Wirtschaft schwieriger. Die österreichischen Unternehmen fürchten, als erste die Rechnung für den demografischen Rückgang präsentiert zu bekommen. Sie rechnen damit, dass die Suche nach Facharbeitern im allgemeinen und Lehrlingen im speziellen in den kommenden Jahren immer härter wird.

In einer neuen Umfrage unter Arbeitgebern geben 70 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten beim Finden geeigneter Mitarbeiter zu haben.

Die Umfrage des Linzer market-Instituts beruht auf einer bemerkenswert optimistischen Einschätzung der Betriebe zur kurzfristigen Konjunktur-Entwicklung: Auf alle österreichischen Arbeitgeber hochgerechnet, würden die Angaben der Befragten in den nächsten sechs Monaten auf 150.000 fehlende Mitarbeiter hinauslaufen, darunter etwa 90.000 Lehrlinge bzw. Personen mit Lehrabschluss.

Früher habe man bei der Personalsuche primär nach guten Vertriebsleuten Ausschau gehalten, "jetzt ist das Thema geeignete Mitarbeiter/Qualifikation in den Vordergrund gerückt", sagte Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl bei der Präsentation. "Es ist eine Perversität ersten Ranges, einerseits unter einem Fachkräftemangel zu leiden, aber gleichzeitig zuzuschauen, wie Fachkräfte vorzeitig in Pension gehen."

Als kurzfristigen Lösungsansatz will die Kammer den Verbleib älterer Arbeitskräfte im Arbeitsleben mit Prämien für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gefördert sehen. Längerfristig sollen Ausbildungsreformen, die Aufwertung der Lehre, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen, qualifizierte Migration und neue Vorschriften am Arbeitsmarkt helfen.

Als größte Probleme bei der Suche nach Arbeitskräften nennen die Arbeitgeber zu geringe fachliche Qualifikationen (59 Prozent) und mangelnde Motivation (61 Prozent). Zu hohe Lohnvorstellungen werden nicht als vordringliches Problem gesehen. Bei den Lehrlingen bemängeln relative Mehrheiten einen zu geringen Leistungswillen, mangelnde Umgangsformen sowie den Umstand, dass es "den Bewerbern an Grundkenntnissen wie Lesen, Rechnen und Schreiben fehlt".

Demografischer Hintergrund ist das Sinken der Geburtenzahl zwischen 1993 und 2001 um rund 20 Prozent. 2008 gab es im Land noch knapp 100.000 15-Jährige, bis 2016 erwartet man hier einen Rückgang auf 85.000.