Erstellt am 03. Oktober 2012, 10:57

Leitl sieht Osten Russlands als Hoffnungsgebiet. Im Westen Russlands - bis zum Ural - ist die österreichische Wirtschaft zwar gut aufgestellt, aber im Osten des Riesenlandes "sind wir deutlich unterrepräsentiert".

Das stellte Wirtschaftskammerpräsident Leitl am Mittwoch anlässlich einer Wirtschaftsmission nach Kamtschatka fest. "Es besteht die Gefahr, dass wir abgehängt werden, wie uns das in Afrika passiert ist", so Leitl. Dabei sei der Ferne Osten ein Schwerpunkt der russischen Regierung und von Präsident Putin. Österreich könne "maßgeschneidert" Dinge liefern, die dort gefragt sind: Infrastruktur, Flughäfen, Häfen, medizinische Zentren, Wasserkraftwerke, Holzverarbeitung, Landwirtschaft oder Tourismus. "Das passt alles, aber wir sind zu wenig präsent, wir müssen mehr Gas geben", meint Leitl.

Zwar haben derzeit Japaner, Koreaner und Chinesen "das Heft in der Hand", nicht zuletzt aufgrund der geografischen Nähe, die Russen seien aber sehr europafreundlich. Außerdem gebe es eine gemeinsame Geschichte, Wesensart und eine Philosophie der Nachhaltigkeit und Partnerschaft. Wer einen guten russischen Partner habe, könne sich auf ihn verlassen und werde nicht von ihm übers Ohr gehauen, schwärmte Leitl.

Derzeit mache der bilaterale Handel zwischen Österreich und Russland rund sieben Mrd. Euro aus, auch die österreichischen Investitionen in dem Land betragen sieben Mrd. Euro, allerdings "der weitaus überwiegende Teil im Westen". Österreichische Firmen seien durchaus groß genug, in Russland Aufträge zu ergattern, ist sich Leitl sicher und verweist auf Liebherr-Kräne, die Vamed, oder die Lotterien, die bereits ganz im Osten aktiv seien.

Ein besonderer Schwerpunkt für österreichische Exporte könnte das Ausbildungssystem, von der dualen Ausbildung bis zu einer Tourismusfachschule sein, hofft Leitl. In Russland gebe es wie in vielen anderen Ländern bei hoher Arbeitslosigkeit einen Fachkräftemangel. Es sei kein Zufall, dass der Chef des besten Hotels in Moskau, des Kempinski, ein Burgenländer sei. Ob so eine Fachschule in Moskau, Petersburg, Sotschi oder einem anderen Ort kommt, sei noch offen.