Erstellt am 12. Oktober 2011, 14:38

Liberalisierung sorgte für geringere Energiekosten. Die Öffnung des Strom- und Gasmarktes in Österreich hat Vorteile für Kunden, Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft gebracht. Zu diesem Resumé kamen die Vorstände der Regulierungsbehörde E-Control, Walter Boltz und Martin Graf, anlässlich "10 Jahre Strommarktliberalisierung". Beim Wettbewerb wird aber weiterhin Verbesserungspotenzial gesehen.

Die Stromrechnung wäre für Haushalts- und Gewerbekunden ohne Liberalisierung in den Jahren 2001 bis 2009 kumuliert um 10,2 Mrd. Euro höher ausgefallen, die Gasrechnung um 1,3 Mrd. Euro höher. Profitiert haben vor allem die Gewerbekunden, deren "Ersparnis beim Strom" mit 8,9 Mrd. Euro und beim Gas mit 1,2 Mrd. Euro errechnet wurde. Zurückzuführen seien dies unter anderem auf die höhere Wechselbereitschaft der Unternehmen aber auch Mengeneffekte.

Derzeit wechseln in Österreich jährlich rund 1,5 bis zwei Prozent der Haushalte ihren Stromlieferanten und 0,7 bis 0,8 Prozent den Gasversorger. Eine "gesunde Wechselrate" wären für Boltz rund sieben bis zehn Prozent pro Jahr. In Deutschland liegen die Wechselraten laut E-Control mittlerweile bei fünf Prozent. Eine Belebung des Wettbewerbs sowie fairere Preise sollte das neue Gaswirtschaftsgesetz bringen, so Boltz.

Würden Kleinkunden massiv ihren Lieferanten wechseln - "das dauert 15 Minuten" - hätte dies Auswirkungen auf den Preis, so Boltz. Die Unternehmen würden wohl "zähneknirschend" reagieren. Gaspreiserhöhungen gab es zuletzt bei der EnergieAllianz und in Oberösterreich, was von der E-Control durchaus kritisch gesehen wird.

Derzeit könnten sich die Kunden - regional unterschiedlich - beim Wechsel des Stromlieferanten bis zu 80 Euro im Jahr und beim Wechsel des Gaslieferanten bis zu 170 Euro sparen. Würden dies alle österreichischen Haushalte tun, könnten sie in Summe 400 Mio. Euro sparen.

Auch die Energieunternehmen hätten von der Liberalisierung profitiert, weil die Effizienz gestiegen sei, so die E-Control. Profitiert hat laut einer Studie aber auch die Volkswirtschaft. Demnach wäre das Bruttoinlandsprodukt, wenn es keine Liberalisierung gegeben hätte, um ein Prozent niedriger, das entspreche rund drei Mrd. Euro an österreichischer Wertschöpfung.