Erstellt am 08. Mai 2013, 12:05

LK Burgenland unglücklich über Neonicotinoide-Verbot. In der Burgenländischen Landwirtschaftskammer ist man mit dem gänzlichen Verbot von Neonicotinoiden alles andere als glücklich.

 |  NOEN, ROBERT JAEGER (APA)
"Wir nehmen diese Entscheidung zur Kenntnis, wenngleich zähneknirschend", sagte Landwirtschaftskammerpräsident Franz Stefan Hautzinger am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Durch die Entscheidung sei die Landwirtschaft "stark getroffen": "Einige Bereiche in der Landwirtschaft werden zweifelsohne starke Einkommensausfülle durch dieses Verbot haben", meinte Hautzinger, der sich für ein Verbot mit Ausnahmeregelungen aussprach.

"Man hat dem Druck der Öffentlichkeit hier nachgegeben. Ich glaube aber, dass das Problem damit nicht gelöst ist, weil das Bienensterben sehr viele Ursachen hat", stellte der Kammerpräsident fest: Neonicotinoide seien dabei nur "ein geringer Teil". Mittlerweile sei viel unternommen worden, beispielsweise wurden Maissaatgeräte speziell umgerüstet, um beim Ausbringen des Pflanzenschutzmittels möglichst wenig Abdrift in die Umwelt gelangen zu lassen.

Hautzinger: Geräte-Umstellung reduzierte Bienenstreben bereits massiv

Von österreichweit 360.000 Bienenvölkern seien 2011 1.400 durch den Einfluss von Neonicotinoiden geschädigt gewesen, so Hautzinger. 2012 - nach der Umstellung der Geräte - seien es nur mehr 400 geschädigte Bienenvölker gewesen: "Beim heurigen Anbau 2013 sind bis dato noch keine Fälle bekannt geworden."

Dem gegenüber würden jedoch Verluste von 100.000 Bienenvölkern im Winter stehen. Ein Drittel der Völker würden durch den Winter, die Schwächung durch die Varroa-Milbe, Klimaeinflüsse und andere Ursachen sterben, argumentierte Hautzinger. Hier sei "großer Handlungsbedarf gegeben." Der Gesundheitsdienst für die Bienen und die fachliche Beratung der Imker müsse ausgebaut werden.

Durch den Klimawandel und die Globalisierung seien neue Schädlinge wie der Maiswurzelbohrer nach Europa gekommen. Der Maiswurzelbohrer habe in der Natur keine Feinde, "daher ist der Pflanzenschutz enorm wichtig, um die Einkommenssicherung zu gewähren." Dem Argument, das Schädlingsproblem mit einer weiter gestellten Fruchtfolge zu lösen, kann man in der Kammer wenig abgewinnen: Im Burgenland gebe es sehr klein strukturierte Betriebe: "Weil die Felder so nahe nebeneinander sind, ist es ganz schwierig, alleine mit der Fruchtfolge diesem Problem Herr zu werden."

Angst vor "Gentechnik-Hintertür" durch Verbot

Hautzinger sprach sich für ein Verbot mit Ausnahmen - etwa bei der Saatmais- und Rapsproduktion - aus. Warum das Verbot von Neonicotinoiden etwa in Deutschland oder Dänemark funktioniere? "In diesen Ländern gibt es keinen Maiswurzelbohrer und daher ist auch kein Schädlingsdruck wie bei uns gegeben", so Hautzinger.

International betrachtet gebe es zwei Varianten der Schädlingsbekämpfung - den Pflanzenschutz und den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut. Österreich habe sich bewusst gegen Gentechnik entschieden - "das soll auch so bleiben", sagte Hautzinger.

Er befürchte nun, "dass durch dieses Verbot die Gentechnik den Weg über die Hintertür den Weg auf unsere Felder findet." Man höre bereits, dass Nachbarstaaten wie Ungarn und die Slowakei "sehr laut nachdenken" würden, die Gentechnik wieder einzuführen. Mit der langen Grenze zu Ungarn wäre in dem Fall die biologische Landwirtschaft im Burgenland sehr stark gefährdet.