Erstellt am 03. Mai 2012, 15:28

Lufthansa streicht 3.500 Jobs - Verlustreiche AUA: "Bei uns nicht". Dreistellige Millionenverluste kosten bei der Lufthansa-Gruppe tausende Menschen den Job. Der AUA-Mutterkonzern will jetzt vor allem in der Verwaltung und am Boden Kosten und Stellen beschneiden.

Von weltweit 16.800 Jobs in den Verwaltungen der diversen Konzerngesellschaften sollen 3.500 Vollzeitstellen wegfallen, sagte Lufthansa-Chef Christoph Franz am Donnerstag vor den Medien. Der Löwenanteil von rund 2.500 Stellen soll dabei auf Deutschland entfallen. Franz schloss zugleich betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Weltweit beschäftigt die Lufthansa rund 120.000 Leute.
 
6.774 davon arbeiten bei der AUA. Der Vorstand der AUA in Wien stellte am Donnerstag in einer Telefonkonferenz fest, von dem aktuellen Abbau von 3.500 Verwaltungsjobs der Lufthansa nicht erfasst zu sein. Natürlich werde auch die AUA Doppelgleisigkeiten eliminieren und Synergien heben, sagte AUA-Vorstand Peter Malanik, es gehe bei der AUA dabei aber nicht um betriebsbedingte Kündigungen.
 
Die AUA spart gerade Personalkosten, indem sie ihren Flugbetrieb (samt 2.100 Piloten und Stewardessen) an die günstigere Tochter Tyrolean auslagert. Das ist vom Vorstand für 1. Juli geplant. Einen Monat vorher will die AUA sagen können, wieviele ihrer Piloten nicht mitmachen und gegen hohe Abfertigung ausscheiden. Bisher haben im Vorgriff auf solche Sonderaustrittsrechte 43 AUA-Piloten das Weite gesucht.
 
Die Lufthansa schrieb in ihrem heutigen Quartalsbericht, dass die mit der Auslagerung an Tyrolean verbundenen einmaligen "Restrukturierungsaufwendungen" den AUA-Verlust im Gesamtjahr 2012 nochmals höher ausfallen lassen dürften als 2011. Mit 67 Mio. Euro lag das operative Defizit der AUA in den ersten drei Monaten schon höher als im ganzen Jahr 2011 (rund 60 Mio. Euro). Hauptgründe waren die massiven Spritpreiserhöhungen sowie Gebühren und Steuern. Die AUA hofft, doch noch zumindest eine Absenkung der neuen Ticketsteuer aushandeln zu können.
 
AUA-Chef Jaan Albrecht prognostizierte heute in einer Telefonkonferenz den break-even nun für 2013. Das ist das erste volle Jahr, in dem der neue Sparkurs greifen soll. "Hoffentlich in einem wachsenden Markt", wie Albrecht hinzufügte. Den Passagierrekord vom heurigen Erstquartal sieht er aber als recht guten Boden dafür.
 
"Wir kommen nicht darum herum, die Strukturen anzupassen", sagte Lufthansa-Konzernchef Franz zur gleichen Zeit in Frankfurt. Doppelfunktionen sollten zusammengelegt und Arbeiten ohne Mehrwert für den Kunden gestrichen werden. Der scheidende Finanzvorstand Stephan Gemkow deutete an, auch im Flugbetrieb könnten Jobs gestrichen werden.
 
   Die von der Lufthansa übernommenen Gesellschaften wie Swiss oder Austrian Airlines haben eigene Strukturen in den Konzern mitgebracht, die nach Einschätzung des Vorstands zu Doppelungen geführt haben. Hier seien größere Einsparungen mit Stellenstreichungen zu erreichen, meinte Gemkow. Zusammengeführt werden sollen Buchhaltung, Personalführung und Einkauf.
 
Das bei der AUA seit Anfang März laufende neue Sanierungsprogramm soll im ersten Jahr mindestens 220 Mio. Euro bringen. Nicht ungeschoren von den scharfen Vorgaben aus Frankfurt bleiben wird die Swiss, die den Markt ebenfalls mit einem Quartalsverlust überraschte. Schweizer Medien spekulierten heute, dass die Swiss knapp 100 Mio. Euro zum Lufthansa-konzernweiten Sparprogramm beitragen soll.
 
Die Lufthansa gab dem drastisch teureren Sprit die Hauptschuld an dem tristen Jahresbeginn. Operativ hatte der Konzern in den ersten drei Monaten 2012 einen Verlust von 381 Mio. Euro, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr davor. Ein Umsatzplus um 6 Prozent auf 6,6 Mrd. Euro wurde von den um 23 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro angewachsenen Treibstoffausgaben aufgefressen. Heuer dürfte die Lufthansa insgesamt 7,5 Mrd. Euro nur für Flugbenzin ausgeben. Das aufrechte Vorstandsziel schwarzer Zahlen im Gesamtjahr lässt die Kosten des Konzernsparprogramms außer Acht.
 
Mit dem Sparprogramm "Score" will der Vorstand die Lufthansa für den beinharten Wettbewerb mit Billigfliegern und reichen Airlines aus dem Nahen Osten rüsten. Bis zum Jahr 2015 soll das Programm den operativen Gewinn des Konzerns um mindestens 1,5 Mrd. Euro verbessern. Ein Drittel davon sollen Einsparungen beim Personal bringen.