Erstellt am 18. April 2011, 11:11

Mehr Firmenpleiten und Privatkonkurse. Die Zahl der Firmenpleiten hat nach einem Rückgang im Vorjahr im ersten Quartal wieder zugelegt. Mit 1.692 Insolvenzen gab es laut Gläubigerschutzverband Creditreform 3,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Davon wurde in 891 Fällen ein Verfahren eröffnet, das ist ein Anstieg von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV) kommt in seiner endgültigen Quartalsstatistik auf 892 eröffnete Verfahren mit insgesamt 1.617 Insolvenzen. Einen deutlicheren Anstieg gab es ein den Privatkonkursen.

Die Hauptursache für das Scheitern von Unternehmen liegt nach Ansicht von Creditreform in Managementfehlern wie mangelhafter Buchhaltung und fehlendem Risikomanagement. "Viele Unternehmen haben Dank eines angesparten Kapitalpolsters und der besonderen Unterstützung durch ihre Hausbanken die Krise im vergangenen Jahr durchtaucht", so Creditreform-Chef Rainer Kubicki in einer Aussendung. Nun würden die Insolvenzen nach einem Rückgang im Jahr 2010 aber wieder steigen, auch wegen einer unzureichenden Kapitalausstattung und der allgemeinen wirtschaftlichen Lage.

Die höchste Insolvenzquote findet man in Wien: Statistisch gesehen schlitterten in der Bundeshauptstadt 7 von 1.000 Unternehmen in die Pleite. Österreichweit waren es etwas über 4 von 1.000. Den stärksten Anstieg im ersten Quartal gab es im Bauwesen. Hier gab es 274 Fälle oder 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Einen Rückgang von 19 Prozent auf 119 Fälle verzeichnete laut Creditreform die Sparte "Verkehr und Nachrichtenübermittlung".

Stark unterschiedliche Entwicklungen gab es in den einzelnen Bundesländern. Während das Burgenland (plus 20,6 Prozent), Wien (plus 16,4 Prozent) und die Steiermark (plus 13,1 Prozent) steigende Zahlen aufwiesen, gingen die Insolvenzen in Vorarlberg (minus 31,0 Prozent), Salzburg (minus 29,9 Prozent) und Kärnten (minus 6,9 Prozent) zurück.

Anlass zum Optimismus geben für den KSV trotz steigender Insolvenzzahlen aber die rückläufigen Schulden. Diese seien im ersten Quartal 2011 um rund 11 Prozent zurückgegangen und lägen nun bei 563 Mio. Euro, heißt es. Die Insolvenzen hätten unterm Strich also an Bedeutung verloren.

Einen deutlicheren Anstieg als bei Unternehmenspleiten gab es bei den Privatkonkursen. Die Creditreform verzeichnete 2.389 und damit 6,7 Prozent mehr eröffnete Schuldenregulierungsverfahren als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Verfahren, die mangels Vermögen zurückgewiesen wurden, gingen um 9,5 Prozent auf 316 Fälle zurück. Die durchschnittliche Verschuldung betrage rund 80.000 Euro. Der KSV kommt in seiner Statistik auf 2.412 Schuldenregulierungsverfahren und damit auf ein Plus von 7,4 Prozent. Dies sei der erste substanzielle Zuwachs seit zwei Jahren.

"Die nachhaltige Vorsorge für schlechte Zeiten wird angesichts geringer Sparzinsen und allgemeiner Verunsicherung einem oftmals hedonistischem Lebensgefühl hintangestellt", analysiert Creditreform. Dazu komme ein zumindest stagnierendes Reallohnniveau mit einer steigenden Inflationsgefahr, die ein genaues Kalkulieren im Alltag erfordere.