Erstellt am 26. Juni 2012, 13:06

Mehr Privatpleiten erwartet, Firmenpleiten stabil. Die Hochrechnung des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) weist für das erste Halbjahr 2012 etwas mehr Privatpleiten und eine annähernd gleichbleibende Zahl der Firmenpleiten auf - eine Tendenz, die sich auch im Gesamtjahr fortsetzen wird.

Am Ende des Jahres wird es nach Einschätzung des KSV um fünf Prozent mehr private Insolvenzen geben als 2011 - bei gleichbleibender Zahl der Firmenpleiten. "Einmal mehr zeigt sich, dass die sogenannte Krise primär eine Krise des Finanzsektors ist, und dass sich die Realwirtschaft gut behaupten kann", leiten die Insolvenzexperten daraus am Dienstag in ihrem Bericht zum Halbjahr ab.

In den ersten sechs Monaten wurden hochgerechnet 3.044 Unternehmen insolvent, im Jahr davor waren es 2.996. 1.232 Verfahren (-8 Prozent) wurden mangels Masse nicht eröffnet. Tatsächlich eröffnet wurden 1.812 Fälle, das entspricht einem Zuwachs von 9,4 Prozent. Der Alpenländische Kreditorenverband (AKV), der seine Insolvenzstatistik für das Halbjahr vergangenen Freitag veröffentlichte, kommt hier zu einem ähnlichen Ergebnis.

Von den Firmenpleiten waren rund 9.700 Beschäftigte betroffen, um fast acht Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2011. Die geschätzten Insolvenzverbindlichkeiten blieben mit 1,3 Mrd. Euro etwa auf Vorjahresniveau.

Am kräftigsten stiegen die Firmenpleiten mit rund 39 Prozent (auf 124 Fälle) im Burgenland. Der größte Rückgang mit minus 14 Prozent auf 179 Fälle wurde in Tirol verzeichnet. Das Wirtschaftsklima in Wien wird als gut beurteilt, die Fälle werden aus Sicht der Insolvenzexperten immer unbedeutender. In Summe gab es in der Bundeshauptstadt um acht Prozent weniger Firmenpleiten.

Die Zahl der Privatkonkurse stieg im Halbjahr im Jahresvergleich um zwei Prozent auf 5.016 Verfahren. Die Schulden stiegen um acht Prozent auf 609 Mio. Euro, sodass die durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung bei 122.000 Euro lag. Allerdings betrifft ein Drittel dieser Verfahren Personen, deren Schulden aus früherer Selbstständigkeit resultieren - womit die durchschnittliche Schuldsumme "echter" Privater bei etwa 55.000 Euro liegt.