Erstellt am 07. Oktober 2013, 11:25

Metaller fordern 100 Euro mehr. Die Gewerkschaft hat am Montag in den laufenden Metaller-Kollektivvertragsverhandlungen erstmals eine Zahl für die angestrebte Lohnerhöhung genannt.

Nach der zweiten Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die Metallindustrie haben die Gewerkschafter heute Montag erstmals Zahlen auf den Tisch gelegt. Die Gewerkschaften Pro-Ge und gpa-djp fordern ein Plus von mindestens 3,4 Prozent bzw. mindestens 100 Euro mehr auf dem Lohnzettel, was besonders die geringeren Einkommen anheben soll. Die Industrie reagierte zunächst verhalten, hofft aber auf einen Abschluss bei der dritten Runde am 15. Oktober.

Verkündet wurde die Lohnforderung am Montagvormittag bei einer Regionalkonferenz der Betriebsratsvorsitzenden der Maschinen- und Metallwarenindustrie von Wien und Niederösterreich in Vösendorf. Die Erhöhung um mindestens 100 Euro soll die Einkommen der Niedrigverdiener überproportional anheben: Das Mindestgehalt liegt derzeit bei rund 1.636 Euro. Bei dieser Gruppe würden 100 Euro mehr eine rund sechsprozentige Erhöhung bedeuten.

Lohnerhöhung wäre "gerechtfertigt"

Obwohl heuer wie im Vorjahr getrennte Verhandlungen mit den sechs Fachverbänden stattfinden, gelte die Forderung für alle sechs, betonten die Verhandler Karl Proyer (GPA-djp) und Rainer Wimmer (Pro-Ge) in einer Pressekonferenz. Eine mindestens 3,4-prozentige Lohnerhöhung für die Metaller sei "gerechtfertigt" und "nicht überzogen", sagte Proyer. Ausgehend von der durchschnittlichen Inflationsrate der letzten 12 Monate, also von 2,4 Prozent, liege man mit 3,4 Prozent einen Prozentpunkt darüber.

Die Arbeitgeber wollen sich bei der Lohnrunde hingegen an einer niedrigeren Inflationsrate orientieren und verweisen auf sinkende Teuerungsraten. Im ersten Halbjahr seien in der Branche um 4 Prozent weniger Aufträge eingangen als im Vorjahreszeitraum, auch die Gewinne seien "im Sinken".

Neben der Lohnerhöhung wird auch eine Verbesserung der Anrechnung der Karenzzeiten gefordert. Bei besonders belastenden Arbeitszeitformen (Schicht- bzw. Nachtarbeit) soll die Arbeitszeit verkürzt werden. Die Arbeitszeit auf Dienstreisen müsse fair abgerechnet werden. Die Gewerkschaft wendet sich weiters gegen die von den Arbeitgebern geforderte Ausweitung der Normalarbeitszeit . "Der Zwölfstundentag würde den Wegfall von Überstundenzuschlägen bedeuten", warnt Wimmer. Zwischen 3.000 und 5.000 Euro im Jahr würden für die Arbeitnehmer dadurch wegfallen.

Für zukunftsorientierten Abschluss

Die Arbeitgeber hingegen wollen die angestrebte Verlängerung der Normalarbeitszeit unter dem Blickwinkel der Beschäftigungs- und Standortsicherung sehen. Der Obmann des Fachverbands der Maschinen-und Metallwarenindustrie (FMMI) in der WKÖ, Christian Knill, appellierte heute an die Gewerkschaften um einen "in die Zukunft gerichteten Abschluss", der den Wirtschaftsstandort und die Beschäftigung halte. Kritik von Gewerkschaftsseite am Chefverhandler der Arbeitgeber, Johannes Collini, ließ Knill unbeeindruckt. Proyer hatte dem Vorarlberger Unternehmer Zynismus vorgeworfen.

Die früher gemeinsam abgehaltenen KV-Verhandlungen der Metaller werden seit dem Vorjahr in sechs verschiedenen Fachverbänden geführt. Den Beginn macht die Metallindustrie mit 1.200 Betrieben und 120.000 Beschäftigten. Der FMMI vertritt damit den überwiegenden Teil der 180.000 Metaller. Die Arbeitgeber haben sich heuer zum zweiten Mal geweigert, gemeinsame Verhandlungen aller Fachverbände zu führen. Trotz der Aufsplitterung gilt das Ergebnis der Branche weiterhin als Barometer für die späteren Lohnverhandlungen.