Erstellt am 11. September 2012, 15:32

Metaller-KV - Wirtschaftsflaute erhöht den Zeitdruck auf Verhandler. Die schwache Wirtschaftswachstum und die trüben Prognosen setzen die Sozialpartner bei der heurigen Herbstlohnrunde unter Zeitdruck.

Je länger die Verhandlungen dauern, desto schwieriger wird es für die Gewerkschafter, hohe Lohnabschlüsse zu argumentieren. Für die Arbeitgeber wiederum sinkt die Planbarkeit der Personalkosten, die sie aber für Kostenkalkulation zur Anbotslegung für das kommende Jahr brauchen. Dass die Herbstlohnrunde nun nicht mehr eine große Verhandlungsrunde für den gesamte Metallbranche beginnt, sondern die Metall-Fachverbände getrennt verhandeln, macht die Sache nicht einfacher.

Beobachter erwarten, dass bei der Übergabe des Forderungskataloges der Arbeitnehmer am 19. September rasch mit den Verhandlungen begonnen wird. Theoretisch könnte dies noch am selben Tag erfolgen, denn alle Protagonisten befinden sich zu diesem Zeitpunkt ohnehin vor Ort in der Wirtschaftskammer Wien, wo traditionell der Lohnabschluss für die rund 180.000 Metaller verhandelt wird. Ob die Verbände parallel verhandeln oder ein Verband nach dem anderen um einen Abschluss feilscht, ist noch offen. Schon im Vorjahr waren bei einer gemeinsamen Verhandlungsführung vier Runden inklusive einer Marathonsitzung bis in die Morgenstunden notwendig um zu einen Abschluss zu kommen. Bereits nach der zweiten Gesprächsrunde hatte die Gewerkschaft Protestmaßnahmen ergriffen.

Abzuwarten bleibt, ob die Arbeitgeber wieder das heikle Thema Arbeitszeitflexibilisierung auf ihre Verhandlungsagenda setzen. Christian Knill, Obmann des größten Fachverbandes Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI ), hatte im APA-Gespräch vor kurzem angekündigt, dass er auch über diesen Bereich sprechen will. Nachdem die Arbeitnehmer den Arbeitgebern nun schon entgegen gekommen sind und getrennte Verhandlungen akzeptieren ist es fraglich, ob die Arbeitgeber noch einmal die Gewerkschaften reizen wollen.

Wifo-Expertin Christine Mayrhuber erwartet sich kurzfristig keinen Arbeitskampf aus der nunmehrigen Aufspaltung der Metaller-KV-Verhandlungen - auf die Dauer könnte die Stimmung aber kippen. Durch die bisherige Orientierung an der Exportwirtschaft habe es gute, aber auch wirtschaftlich vertretbare Abschlüsse für die Beschäftigten gegeben. Komme es nun zu deutlichen Einkommensunterschieden innerhalb der Branche, könnte dies zu Protesten führen.