Erstellt am 14. Oktober 2011, 13:03

Metaller schmieden an den 5,5 Prozent. Die Beschäftigten der Metallindustrie haben am Freitag den Druck auf die Arbeitgeber bei den laufenden Lohnverhandlungen deutlich erhöht. Um ihrer Forderung nach 5,5 Prozent mehr im Börserl Nachdruck zu verleihen, wurden rund 200 Betriebe flächendeckend bestreikt.

100.000 der 165.000 Metaller (ohne die knapp 20.000 Leiharbeiter) beteiligen sich nach Gewerkschaftsangaben an dem Arbeitskampf. Sollte sich die Arbeitgeberseite am Wochenende nicht bewegen, soll am Montag weiter gestreikt werden.

   Die Lohnabschlüsse in der Metallindustrie gelten als richtungsweisend für die gesamte Herbstlohnrunde, wobei der Metaller-Kollektivvertrag an der obersten Bandbreite der Abschlüsse liegt. So beträgt das Mindesteinkommen eines Metallers derzeit 1.515 Euro brutto.  Wird gestreikt, dürfen auch die Leiharbeiter nicht weiterarbeiten, so die Pro-GE. Das Streikrecht ist unter anderem durch die österreichische Verfassung abgesichert. "Niemand haftet für die Folgen eines Streiks. Dass ein Streik Schaden anrichtet, liegt in seinem Wesen - gerade dadurch soll ja Druck ausgeübt werden. Es liegt am bestreikten Arbeitgeber bzw. Arbeitgeber-Verband einzulenken und dadurch Schäden zu vermeiden", stellt die Pro-Ge klar. Für Lehrlinge gilt das Streikrecht ebenfalls, allerdings nur für die Tage im Betrieb, die Schulzeit muss eingehalten werden.

   Teilweise dauern die Warnstreiks heute den ganzen Tag, zum Teil eine Schicht lang. So wird etwa das Opel-Werk in Wien-Aspern ganztätig die Arbeit niederlegen. Bestreikt werden unter anderem auch MAN, BMW, Magna, Otis, Kone, Schindler, Bosch Thyssen Krupp und Pewag. Die Stimmung ist teilweise aufgeheizt, von Gewerkschaftsseite zeigte man sich über die rege Anteilnahme an den Protesten überrascht und sehr zufrieden. voest-Konzernbetriebsratsvorsitzender Hans-Karl Schaller meinte heute zum Start der Warnstreiks in Linz: "Wir sind nicht die Rotzbuben von (Arbeitgeber-Chefverhandler Christoph, Anm.) Hinteregger. Die Helden der Fabrik machen einen tollen Job und wollen sich nicht mit 3 Prozent abspeisen lassen."

   Aufregung gab es bei Bosch in Hallein, weil dort die Unternehmensleitung in einem Schreiben darauf hingewiesen habe, dass die Maßnahmen arbeitsrechtliche Folgen nach ziehen könnten und Streiks außerhalb des Betriebsgeländes abzuhalten seien. "Das hat die Leute erst so richtig heiß gemacht", so Schluckner. Teile des Betriebes würden heute schon bestreikt. Geschäftsführer Ernest Fiedler ließ der APA auf Anfrage ausrichten, dass er laufend in Besprechungen sei und zu den aktuellen Ereignissen keine Stellungnahme abgeben werde.

   Unterstützung für die Streikenden kam vom Gewerkschaftlichen Linksblock im ÖGB (GLB). "Die Gewerkschaften haben viel zu lange durch ihre Unterwerfung unter die von Unternehmerseite propagierte Standortsicherung eine falsch verstandene Solidarität geleistet, der jetzt wieder ins Treffen geführte "soziale Friede" hat im Ergebnis nur zum Zurückbleiben der Löhne und Gehälter geführt hat", so GLB-Bundesvorsitzender Josef Stingl.

   Naturgemäß anders sieht das Claus Raidl, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Böhler-Uddeholm und Berater von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V). Er erwartet zwar ein nachgebessertes Angebot der Metallindustrie, die Streiks findet er zu diesem frühen Zeitpunkt aber überzogen, dramatisch sind diese aber nicht, sagte er gegenüber dem ORF. Die Arbeitgeber der Metallindustrie kündigten für den frühen Nachmittag eine Stellungnahme an.