Erstellt am 14. Oktober 2011, 13:03

Metaller schwingen den Streikhammer. Die 165.000 Arbeiter und Angestellten der Metallindustrie haben am Freitag kräftig auf den Amboss geschlagen. Seit den frühen Morgenstunden werden rund 200 Betriebe bestreikt, um die Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn durchzusetzen.

Das Angebot der Arbeitgeber lag bei der bisher letzten Verhandlungsrunde am Mittwoch bei 3,65 Prozent plus einer Einmalzahlung von 200 Euro. Für Aufregung sorgte kurz die Meldung der Wien Energie, wonach dort für Montag Arbeitsniederlegungen geplant sind. Das Unternehmen gab aber Entwarnung, die Energieversorgung sei gesichert - wie auch sämtliche andere Landesversorger bei einem APA-Rundruf klarstellten.

Offen ist, ob sich die Arbeitgeberseite zu Verhandlungen am Wochenende oder gleich zu Wochenbeginn aufschwingt. Eine Stellungnahme war auf APA-Anfrage nicht zu erhalten. Die Arbeitnehmerseite hatte heute mehrmals betont, dass am Montag weiter gestreikt wird, sollte es bis dahin keine Bewegung von Seiten der Industrie geben.

Am Freitagnachmittag verschärfte die Metallergewerkschaft Pro-Ge den Ton und warf einigen Industriellen vor, die streikenden Mitarbeiter unter Druck zu setzen. "Es wird vorgegaukelt, über die Rechtslage bei einem Streik zu informieren. Tatsächlich werden die Beschäftigten aber mit der Abmeldung von der Gebietskrankenkasse, mit Verlust des Anspruches der Arbeitslosenunterstützung und dem Verlust des Arbeitsplatzes bedroht", beschwerte sich die Pro-Ge. Sie forderte die Arbeitgeberseite auf, diese "niveaulosen Einschüchterungsversuche" einzustellen. Und sie stellte klar: "Streiks stellen niemals einen Kündigungs- oder Entlassungsgrund dar."

Richtig sei jedoch, dass aufgrund der Teilnahme am Streik kein Entgeltanspruch besteht - deshalb gibt es für Gewerkschaftsmitglieder auch die Streikunterstützung, wurde betont. Mitbestandteil des Streiks sei jedenfalls, dass alle Streikstunden von den Unternehmen auch bezahlt werden.

Die Arbeitgeberseite schwieg am Freitag bisher zu den Protesten, umso markiger waren die Sprüche der Belegschaftsvertreter. "Wir stecken nicht zurück. Und wir lassen uns nicht einschüchtern", "Die Helden der Fabrik machen einen tollen Job", "Wann bitte, wenn nicht jetzt, haben die Beschäftigten eine kräftige Lohn- und Gehaltserhöhung verdient?" und "Wir sind nicht die Rotzbuben von (Arbeitgeber-Chefverhandler Christoph, Anm.) Hinteregger", hieß es zur APA. Sollte sich die Arbeitgeberseite am Wochenende nicht bewegen, soll am Montag weiter gestreikt werden. Karl Proyer, Chefverhandler der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA, betonte: "Die Menschen haben erkannt, dass es so nicht weitergehen kann. Das Ganze wird eine Streikbewegung."

Die Lohnabschlüsse in der Metallindustrie gelten als richtungsweisend für die gesamte Herbstlohnrunde, wobei der Metaller-Kollektivvertrag an der obersten Bandbreite der Abschlüsse liegt. So beträgt das Mindesteinkommen eines Metallers derzeit 1.515 Euro brutto. Wird gestreikt, dürfen auch die knapp 20.000 Leiharbeiter nicht weiterarbeiten, so die Pro-GE. Das Streikrecht ist unter anderem durch die österreichische Verfassung abgesichert. "Niemand haftet für die Folgen eines Streiks. Dass ein Streik Schaden anrichtet, liegt in seinem Wesen - gerade dadurch soll ja Druck ausgeübt werden. Es liegt am bestreikten Arbeitgeber bzw. Arbeitgeber-Verband einzulenken und dadurch Schäden zu vermeiden", stellt die Pro-Ge klar. Für Lehrlinge gilt das Streikrecht ebenfalls, allerdings nur für die Tage im Betrieb, die Schulzeit muss eingehalten werden.

Teilweise dauern die Warnstreiks heute den ganzen Tag, zum Teil eine Schicht lang. So wird etwa das Opel-Werk in Wien-Aspern ganztätig die Arbeit niederlegen. Bestreikt werden unter anderem auch MAN, BMW, Magna, Otis, Kone, Schindler, Bosch Thyssen Krupp und Pewag. Die Stimmung ist teilweise aufgeheizt, von Gewerkschaftsseite zeigte man sich über die rege Anteilnahme an den Protesten überrascht und sehr zufrieden. Eine Freude, die der Wirtschaftsbund naturgemäß nicht nachvollziehen kann. Er warnt den ÖGB, sich bei den Metallerstreiks nicht vor den Karren der SPÖ spannen zu lassen und einen "Gerechtigkeitswahlkampf" auf Kosten des Wirtschaftsstandortes zu führen. Er verwies auf die kolportierte Zahl von 2 Mio. Euro Streikkosten für die Industrie pro Tag.