Erstellt am 03. Oktober 2011, 15:25

Metaller verhandeln im griechischen Schatten. Am Dienstag geht es erstmals um konkrete Zahlen bei den Kollektivvertragsverhandlungen für Metallindustrie und -gewerbe. Die Verhandlungen stehen im Schatten der Euro-Krise rund um Griechenland, einer abschwächenden Industriekonjunktur und einer hohen Inflation.

Somit haben Arbeitgeber wie Arbeitnehmer gute Argumente in der Hand, warum es heuer einen moderaten bzw. einen deutlichen Lohn- bzw. Gehaltsabschluss geben muss.

Erst vor wenigen Tagen hatten die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS ihre Prognosen halbiert und aus Deutschland kommen ähnliche Kassandrarufe. Damit scheinen die noch vor einem Monat von den Industrievertretern zugestandenen drei Prozent KV-Erhöhung plus einer nennenswerten Einmalzahlung ins Wanken geraten zu sein. Auf Gewerkschaftsseiten gibt man sich jedenfalls weiterhin kämpferisch, selbst ein Abschluss auf niedriger 3-Prozent-Hürde ist den Belegschaftsvertretern angesichts der hohen Inflation von zuletzt 3,4 Prozent und der im abgelaufenen Jahr brummenden Industriekonjunktur zu wenig. Sie verweisen auf die hohen Gewinnausschüttungen an Aktionäre und Manager.

Bei der Übergabe der Forderungen durch die Chefverhandler auf Arbeitnehmerseite, Rainer Wimmer (Pro-Ge) und Karl Proyer (GPA), am 22. September in der Wirtschaftskammer Österreich kristallisierten sich die Einmalzahlungen als großer Knackpunkt heraus. Die Gewerkschafter setzen primär auf ein Lohnplus durch die Prozenterhöhungen des Ist- und Mindestlohnes, da dieser Wert dann nächstes Jahr wieder die Ausgangsbasis für weitere Verhandlungen ist, also nachhaltiger wirkt als eine Einmalzahlung.

Die Arbeitgeber, vertreten durch die Chefverhandler Christoph Hinteregger und Alfred Hintringer, pochen hingegen auf Einmalzahlungen, weil sie damit bei einer unsichereren Wirtschaftslage flexibler reagieren können.

Basis für die Lohnverhandlungen ist die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate, sie lag bei 2,8 Prozent. Die Arbeitnehmer betonten auch noch, dass im Vorjahr die Stundenproduktivität in der Sachgütererzeugung um 6,2 Prozent zulegte, während die Lohnstückkosten um 3,9 Prozent zurückgingen. Die Gewerkschaften wollen auch eine Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen. So soll der 31. Dezember prinzipiell ein freier Tag bei voller Bezahlung sein. Weites soll eine Mindestvergütung bei Rufbereitschaft festgeschrieben werden und es zu einer Verbesserung der Abgeltung der Reisezeiten außerhalb der Normalarbeitszeit kommen.

Während die Metallindustrie mit überschaubaren Forderungen in die Verhandlungen gegangen ist, gab es im Metallgewerbe von der Arbeitgeberseite gleich einen Bündel an Wünschen. Die Gewerbetreibenden wollen eine Kürzung der Kündigungsfristen, einen Entfall des Postensuchtages bei Selbstkündigung, eine Verkürzung der Weiterverwendungszeit von Lehrlingen auf das gesetzliche Ausmaß (3 Monate), die Zulassung einer täglichen Normalarbeitszeit bis zu 10 Stunden im Rahmen einer 5-Tage-Woche und den Entfall des Zeitzuschlages für Wochenstunden nach der 40. Stunde bei dem Modell der "Erweiterten Bandbreite".