Erstellt am 14. Juli 2011, 13:32

Mio.-Verlust für Wasserverband. Spekulationsgeschäfte mit Devisenoptionen und Aktien des Wasserbandes Südliches Burgenland haben seit dem Jahr 2001 zu einem Verlust von zwei Mio. Euro geführt.

 |  NOEN, zVg
Das geht aus dem aktuellen Bericht des Rechnungshofes (RH) hervor. Neben vernichtender Kritik am Finanzmanagement gab es von der Kontrollbehörde auch Lob, besonders für die Wasserqualität und die Versorgung. Der Geschäftsführer des Verbandes, Christian Portschy, verwies auf zwischenzeitliche Gewinne. Man habe aus den Fehlern gelernt, so Portschy.

Der RH nahm die Finanzgebarung und die Struktur des Verbandes der vergangenen Jahre unter die Lupe. Ein Teil des Berichts widmet sich Devisenoptions- und Aktiengeschäften, die aus einer anfänglichen Gewinnsituation heraus ab 2007 der aus 30 Gemeinden bestehenden Organisation letztlich einen siebenstelligen finanziellen Verlust bescherte.

Nach einer Einigung mit der Bank Austria schaffte der Verband den Ausstieg bei den Devisenoptionen ohne Schaden. Bei den Aktiengeschäften listet der RH eine Fülle von Kritikpunkten auf. Über 85 Prozent der Rücklagen des Verbandes seien "risikoreich" in Aktien und Zertifikate angelegt worden. Die Anlage sei ausschließlich in der Immobilienbranche erfolgt. Zudem hätten zwei einzelne Titel 86,8 Prozent der Wertpapierveranlagungen erfasst. Die Aktien der Immobilienanlagengesellschaft habe man als "mündelsicher" angesehen. Damit sei man jedoch ein hohes Klumpenrisiko eingangen, hieß es in dem Bericht.

Das vom Vorstand gewählte Finanzierungsmodell habe "mannigfaltige" Risiken in sich vereint. Nachdem sich die Wertpapierveranlagungen in den ersten Jahren zunächst besser als geplant entwickelt hätten, habe 2007 besonders wegen der Finanzkrise "eine steil abwärts verlaufende" Trendumkehr eingesetzt. Beim Verkauf des Wertpapierportfolios Ende 2009 bzw. Anfang 2010 habe sich der Verlust auf 4,78 Mio. Euro, das sind 48,3 Prozent des eingesetzten Kapitals, belaufen. Die zwischen 2001 und 2007 insgesamt 88 Devisenoptionsgeschäften schlugen sich mit 2,41 Mio. Euro negativ zu Buche.

Während die Verluste bei den Devisenoptionen zur Gänze ausgeglichen werden konnten, gelang dies bei den Wertpapierveranlagungen laut RH bis Mai des Vorjahres lediglich zu 58 Prozent. Insgesamt war für den Verband somit ein Gesamtverlust von zwei Mio. Euro zu erwarten, stellte das Prüforgan fest. Nach Ansicht des RH habe der Verband weder über ausreichend qualifiziertes Personal, noch über die softwaretechnischen Voraussetzungen verfügt, um Devisenoptionsgeschäfte durchzuführen.

Verbandsgeschäftsführer Portschy bestätigte gegenüber der APA die Höhe des vom RH festgestellten Verlustes von 2,01 Mio. Euro. Er verwies auf die Leistungen des Wasserverbandes in den vergangenen Jahren. Man sei vom einem kleinen Verband zum zweitgrößten Wasserversorger gewachsen und habe die Zahl der Mitgliedsgemeinden von anfänglich fünf auf 30 aufgestockt. Zu den Spekulationsgeschäften meinte Portschy, man habe der Bank vertraut, die das Risiko heruntergespielt hätte.