Erstellt am 15. Februar 2012, 12:16

Moody's: Haben Sparpaket Österreichs sehr wohl berücksichtigt. Im Gegensatz zur Darstellung der heimischen Regierung hat die Ratingagentur Moody's bei ihrer Absenkung des Ausblicks für die Bonität der Republik Österreich das Sparpaket sehr wohl bereits berücksichtigt.

 "Wir haben das aktuelle Sparpaket in unserer Analyse bereits in vollem Umfang berücksichtigt", sagte die für Österreich zuständige Moody's-Chefanalystin Kathrin Mühlbronner zur "Presse". "Obwohl die endgültigen Zahlen nicht bis Freitag veröffentlicht wurden, waren die wichtigsten Punkte wie die Gesamtsumme des Pakets bereits bekannt", meinte sie im "Standard" (beide Mittwoch).
 
   Kanzler Werner Faymann (S), Vizekanzler Michael Spindelegger (V) und Finanzministerin Maria Fekter (V) gaben am Dienstag zu verstehen, dass Moody's bei seinem Rating das Sparpaket noch nicht zur Gänze bewertet habe. "Moody's hat die Zahlen nicht kennen können, das Gesamtvolumen des Paketes ist bis zum Schluss nicht bekannt gewesen", hatte Fekter betont: "Unser Engagement, die Schulden zurückzudrängen, wurde noch nicht im vollen Umfang bewertet." Der Kanzler hatte am Dienstag im Pressefoyer nach dem Ministerrat erklärt, das Sparpaket sei bei der Einschätzung der Agentur "noch nicht dabei" - und davon ging den Medienberichten zufolge auch Vizekanzler Spindelegger aus.
 
   Laut Mühlbronner sah sich Moody's trotz des schon berücksichtigten Sparpakets gezwungen, den Ausblick für Österreich zu senken, unter anderem, weil "Länder wie Finnland, Deutschland und Schweden die Finanzen deutlich besser unter Kontrolle gebracht haben". Zudem verwies sie auf den im Vergleich zu anderen Triple-A-Staaten schwächeren Bankensektor Österreichs, Stichwort Osteuropa-Exposure.
 
   Vom Moody's-Rundumschlag am Montagabend waren neun EU-Länder betroffen. Sechs Staaten wurden herabgestuft, für die Triple-A-Länder Österreich, Frankreich und Großbritannien wurde der Ausblick von "stabil" auf "negativ" gesenkt - also mit der Wahrscheinlichkeit einer baldigen Herabstufung in Höhe von zumindest einem Drittel.
 
   Noch im Dezember hatte Moody's Österreich das "AAA" mit stabilem Ausblick bescheinigt. Anders als ihre Konkurrenten bewertet Moody's Staaten alle drei Monate neu. Die aktuelle Einschätzung sei deshalb keineswegs ein "Nachziehen" im Zusammenhang mit den im Jänner erfolgten Herabstufungen von Standard & Poor's (S&P), heißt es in der "Presse". Das nächste Urteil werde Moody's spätestens im Mai fällen.
 
   Eine gute Nachricht bleibt freilich, so der "Standard": Statistisch gesehen wird nur eines von zwei Ländern mit negativem Ausblick auch tatsächlich abgestuft.