Erstellt am 20. Januar 2012, 13:27

Nach drei Jahren in der Verlustzone: BEWAG-EGT wieder im Plus. Zu ihrer ersten Bilanz-Pressekonferenz haben am Freitag die BEWAG-Vorstände Michael Gerbavsits und Reinhard Schweifer eingeladen.

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Nach etwas mehr als einem Jahr in der Chefetage des Energieversorgers zogen beide ein positives Resümee: "Nach drei Jahren hintereinander, in denen die BEWAG Verluste verzeichnete, haben wir ein sehr gutes Ergebnis erwirtschaftet", erklärte Vorstandssprecher Gerbavsits. Das Ergebnis der Gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrage 20,6 Mio. Euro. Im Jahr davor wurde noch ein Minus von 6,4 Mio. Euro eingefahren. Das Eigenkapital bezifferte Gerbavsits mit 184,7 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote wurde von 30,7 auf 37,2 Prozent gesteigert.
 
An die Eigentümer werden 11 Mio. Euro als Dividende ausgeschüttet, was eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeute. "Damals wurde sie aus Rücklagen bedient. Jetzt werden wir das aus dem ordentlichen Geschäftsergebnis machen", fügte Gerbavsits hinzu. Mit dem vorliegenden Ergebnis sehen die BEWAG-Chefs den Konzern wieder "auf Erfolgskurs".
 
Das Jahresergebnis sei durch die "sehr guten" Ergebnisse beim Verkauf von Becom, B.Net Kroatien und dem Kabelfernsehen BKF positiv beeinflusst, so Gerbavsits. Alle drei BEWAG-Beteiligungen wurden entsprechend der geänderten Konzernphilosophie, sich auf das Kerngeschäft im Energiebereich zu reduzieren, verkauft.
 
Dies habe auch Wertberichtigungen bei Biomasse und bei der Windkraft in Osteuropa ermöglicht - somit in jenen Geschäftsbereichen, die sich nicht so entwickelt hätten, wie man das vor Jahren erwartet habe, räumte Gerbavsits ein. Hinsichtlich der Kostenseite habe man natürliche Personalabgänge weitgehend nicht nachbesetzt, Überstunden reduziert und Einsparungen im Verwaltungsbereich vorgenommen.
 
Ein großes Vorhaben, das man sich vorgenommen habe, sei das Herbeiführen der Energiewende im Burgenland. Binnen drei Jahren sollen rund 350 Mio. Euro in den Windkraftausbau investiert werden. Mit den zwei Enercon E 126-Anlagen, die über eine Nennleistung von je 7,5 Megawatt (MW) verfügen, werde ein neuer Windradtyp praktisch marktreif gemacht, so Vorstand Schweifer. Die Windräder seien bereits in Betrieb und fahren derzeit mit drei bis vier MW. Das Herantasten an die tatsächliche Leistung werde noch einige Wochen dauern.
 
Rechnerisch werde man im Burgenland bis in zwei Jahren bei weitem mehr Strom erzeugen, als verbraucht wird. "Wir werden ein Stromexporteur werden", meinte Schweifer. Dazu werden knapp 70 Mio. Euro in die Netze - für neue Leitungen und Umspannwerke - investiert. Die Windverhältnisse seien - bei Schwankungen im Bereich von fünf bis zehn Prozent - "relativ stabil". Bei Starkwind gebe es bereits einige Tage, an denen bis zum Dreifachen des Stromverbrauchs produziert werde.
 
 "Nichts Neues" gebe es hinsichtlich der Zivilprozesse, die Ex-Vorstände Hans Lukits und Josef Münzenrieder gegen die BEWAG angestrengt haben, berichtete Gerbavsits. Beide Verfahren wurden vertagt, um Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft abzuwarten. Gegen die Vertagung legten sowohl die BEWAG als auch die Ex-Chefs Rekurs ein. Eine Entscheidung stehe offenbar noch aus, erklärte der Vorstandssprecher.