Erstellt am 29. Februar 2012, 00:00

Nächtigungsziel erst 2013. INTERVIEW / Der Touristikspezialist Franz Schmidt glaubt, dass das Ziel von drei Millionen Nächtigungen erst 2013 erreicht werden wird. Auch die Strukturen sind zu „groß“.

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BVZ: Das Burgenland möchte 2012 drei Millionen Nächtigungen erreichen. Ist das ein realistisches Ziel?

Franz Schmidt: Vor drei Jahren hätte ich ohne zu zögern „ja“ gesagt. Doch momentan haben wir unsichere und krisenhafte Zeiten. Im Moment sieht es danach aus, dass große Wachstumssprünge 2012 schwierig werden dürften. Drei Millionen Nächtigungen werden es wohl erst 2013 werden.

 

BVZ: Wo ist das Burgenland besonders gut aufgestellt?

Schmidt: Großes Lob gibt es für die Region Neusiedler See – vor allem im Hinblick auf nachhaltigen Tourismus. Mit der Neusiedler See Card und mit Schwerpunktkampagnen hat sich die Region zu einer Ganzjahresdestination entwickelt.

 

BVZ: Und wie steht es um die Thermenregionen?

Schmidt: Grundsätzlich muss die Entwicklung der Thermenregion als Erfolgsgeschichte bezeichnet werden, auch wenn diese primär auf EU-kofinanzierten Investitionen aufbaut. Allerdings zeigt sich auch, dass das Thermengeschäft vor allem ein Nahmarktgeschäft ist und die Internationalisierung bisher nicht gelungen ist.

 

BVZ: Wie sinnvoll wäre es, eine neue Zielgruppe wie die Russen zu uns zu bringen?

Schmidt: Gäste aus Russland suchen heute vor allem Prestigeziele wie Kitzbühel oder St. Moritz. Das Burgenland kann in diesem Markt weniger auf Prestige als auf Kompetenz setzen – nämlich mit auf Beauty und Gesundheit ausgerichteten Wellness-Angeboten im exklusiven Segment.

 

BVZ: In Zukunft sollen im Burgenland nicht mehr Regionen, sondern Themen beworben werden. Wie sinnvoll ist das?

Schmidt: Regionen sind die Erlebnisräume, in denen sich der Gast aufhält. Gleichzeitig wissen wir, dass Regionen vor allem dann nachgefragt werden, wenn sie ihre Erlebnisversprechen mit Produkten konkretisieren. Heute verfügt der Neusiedler See in Ungarn über eine größere Bekanntheit als die Marke Burgenland.

 

BVZ: Im Burgenland gibt es den Burgenland Tourismus. Daneben noch die NGT, die Mittel- und Südburgenland Tourismus GmbH. sowie sechs Regionalverbände. Ist so viel Struktur notwendig ?

Schmidt: Der Gast braucht gastorientierte, regionale Erlebnisräume, um sein Geld lustvoll ausgeben zu können. Für deren Aufbereitung und Bewirtschaftung braucht es Strukturen.

 

BVZ: Was heißt das genau?

Schmidt: Die Vermarktung sollte stark gebündelt werden, jedenfalls bei Burgenland Tourismus und NTG. Im Unterschied dazu gibt es im Mittel- und Südburgenland immer noch viel unproduktives Nebeneinander. Das Thermenmarketing wird von den Thermenstandorten durchgeführt, daneben sollen der Mittel- und Südburgenland Tourismus sowie die Verbände wirksam sein – das ist zu viel Organisation für so wenig Geschäft. Strukturen sind immer nur so gut, wie die Menschen, die dahinter stehen und die Art und Weise, wie sie zusammenarbeiten.