Erstellt am 23. April 2012, 11:51

Nestle schluckt Pfizers Babynahrung. Der weltgrößte Nahrungsmittelkonzern Nestle übernimmt für fast neun Mrd. Euro die Babynahrungssparte des US-Pharmariesen Pfizer.

Für Nestle sei dies eine "strategische Ergänzung" des rasch wachsenden Geschäfts mit Säuglingsnahrung, teilte der Schweizer Konzern am Montag mit. Unternehmenschef Paul Bulcke rechnet damit, dass sich die Übernahme bereits im ersten Jahr positiv auf Wachstum, Margen und Gewinn je Aktie auswirken wird.

Pfizer Nutrition verfüge über starke Marken, es werde im Rahmen des Schweizer Konzerns "Wert schaffen und positiv zum Nestle-Modell beitragen", erklärte Bulcke am Nestle-Konzernsitz in Vevey am Genfer See. Der Deal umfasst ein Volumen von 11,85 Mrd. Dollar (8,98 Mrd. Euro). Am Markt wurde die Nachricht positiv aufgenommen. Der Kurs der Nestle-Aktie gab am Montagvormittag zwar um knapp drei Prozent nach. Bereinigt um die am Montag ausgeschüttete Dividende verzeichnet das Papier allerdings in einem schwachen Marktumfeld ein leichtes Plus.

Bulcke verwies auf die "geografische Präsenz" von Pfizer Nutrition: 85 Prozent des Umsatzes werde von den Amerikanern in den aufstrebenden Märkten erwirtschaftet, "viele davon mit einer großen, schnell wachsenden Bevölkerung". Der Umsatz der dazugekauften Konzerntochter wird von Nestle für 2012 auf 2,4 Mrd. Dollar geschätzt. Beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) rechnen die Schweizer bei der übernommenen Sparte im laufenden Jahr mit 600 Mio. Dollar.

Damit bewertet das Unternehmen die Einheit mit fast dem 20-fachen des erwarteten EBITDA. Ein nach Einschätzung von Experten hoher Preis. Dies sei aber gerechtfertigt, da sich Nestle ein Geschäft mit hohem Wachstum und Margen sichert, hieß es in einer Studie der Schweizer Bank Vontobel.

Das Marktforschungsinstitut Euromonitor International rechnet bis 2016 mit einem Umsatzplus mit diesen Produkten von sechs Prozent jährlich. Nestle selbst rechnet sogar mit zweistelligen Wachstumsraten in diesem Marktsegment, dessen Volumen das Unternehmen auf rund 30 Mrd. Dollar bezifferte. In den Schwellenländern dürfte das Plus sogar bei durchschnittlich 13 Prozent liegen. Die jeweiligen Marken unterscheiden sich stark nach den einzelnen Ländern.

Pfizer erzielt im Babynahrungsgeschäft 60 Prozent seiner Umsätze in Asien, wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Insbesondere das China-Geschäft ist interessant: Der schnell wachsende chinesische Markt für Babynahrung ist dank jährlich rund 16 Millionen Neugeborenen derzeit 6 Mrd. Dollar schwer und soll sich bis 2016 verdoppeln. So verfügt Pfizer Nutrition in China denn auch über einen Produktionsstandort vor Ort, mit dem der lokale Markt beliefert wird. Weitere Standorte befinden sich in den Philippinen, in Singapur, China, Mexico und in Irland. Die Unternehmenszentrale war bisher in Madison im US-Bundesstaat New Jersey angesiedelt.

Ob dies weiter so bleibt, ist derzeit noch nicht klar. Sicher ist jedoch, dass sämtliche 5.400 Mitarbeiter von Pfizer Nutrition - das Unternehmen ist in weltweit nahezu 60 Ländern präsent - von Nestléübernommen werden. Dies teilte Pfizer seinerseits am Montag in einer Pressemitteilung mit.

Die Schweizer setzten sich beim Kampf um die seit längerem zum Verkauf stehende Pfizer-Sparte gegen den französischen Konkurrenten Danone durch. Zuvor war allerdings über einen geringeren Preis für Pfizer Nutrition spekuliert worden. Die Übernahme muss noch durch die Wettbewerbshüter genehmigt werden.

Der Zusammenschluss werde Nestle "eine vertiefte Beziehung mit unseren Konsumenten erlauben", hieß es. Mit Pfizer Nutrition erhalten die Schweizer auf den jeweiligen Märkten bekannte Marken wie S-26 Gold, SMA und Promil. Sie würden gut in die bisherige Produktpalette von Nestle passen, hieß es, darunter die internationalen Marken Gerber und Cerelac.

Nestle hatte am vergangenen Freitag einen kräftigen Umsatzschub im ersten Quartal 2012 gemeldet. Die Verkäufe wuchsen um 5,6 Prozent auf 21,4 Mrd. Franken (17,8 Mrd. Euro). Bei der Vorstellung der Zahlen hieß es, das Wachstum verdanke man vor allem der steigenden Kaufkraft und Nachfrage in Schwellenländern nach Artikeln wie Schokolade, Backwaren, Speiseeis, aber auch Haustierfutter, Wasser und auch Säuglingsnahrung.