Erstellt am 13. August 2015, 13:22

von Bettina Eder

Neuschnee aus Mörbisch. Serie „Wir unternehmen was“: Der Osttiroler Michael Bacher produziert künstlichen Pulverschnee und stellt damit die österreichische Skiwelt auf den Kopf.

Gute Aussichten. Trotz Hitze dreht sich bei Michael Bacher derzeit alles um Ski und Schnee. Foto: Eder  |  NOEN, Bettina Eder
Ein Tiroler, der nach Mörbisch kommt, um Schnee zu produzieren: Ein wenig skurril ist sie schon, die Geschichte des Osttirolers Michael Bacher, der aus Liebe zu einer Mörbischerin zum „Flachalpinisten“ wurde.

Grundstein an der HTL Eisenstadt

Sein Unternehmen „Neuschnee“ macht keinen – wie üblicherweise verwendet – Kunstschnee, sondern Pulverschnee aus einer künstlichen Wolke. Und stellt damit momentan vor allem die heimische, aber auch die internationale Skiwelt auf den Kopf.

Der Grundstein dafür wurde zum einen auf der Universität für Bodenkultur (Boku) und der Technischen Universität Wien, aber auch in der HTL Eisenstadt gesetzt – denn dort lernten sich Bacher, Christian Schandor und Mario Unterwainig, drei der vier Erfinder der Technolgie hinter dem neuen Schnee, kennen.

x  |  NOEN, Johannes Schweikle


20 Jahre nach der Matura in Eisenstadt gründeten sie mit dem Engländer Fred Best das Unternehmen. Sitz von „Neuschnee“ ist allerdings das niederösterreichische Perchtoldsdorf, aus finanziellen Gründen, denn „es fehlte im Burgenland an Zuschüssen für technologische Startups“, merkt er kritisch an.

Bacher studierte an der Boku Alpine Naturgefahren/Wildbach- und Lawinenverbauung und suchte nach dem Pulverschnee aus dem Labor, „so wie er in der Natur auch funktioniert“, um mit ihm Lawinenforschung zu betreiben.

Zwei große Forschungsprojekte, bei denen auch Siemens involviert war, lieferten die Grundlage für das Spin-Off, das nun für ein „ideologische Gerangel“ bei den Skipistenbetreibern sorgt: „Freerider gegen präparierte Pisten“, schmunzelt Bacher.

Obergurgl testet im Freiluftlabor

Der Vorteil seines Schnees liegt, laut Bacher, auf der Hand: „Er ist wie natürlicher Schnee, der beim Fahren mehr Spaß macht. Die Pisten werden weicher und griffiger. Nicht jeder fährt wie Hermann Maier und braucht deswegen eine harte Piste.“ Die Verletzungsgefahr sei bei weicheren Pisten zudem auch geringer, erklärt der Tourenskifahrer Bacher.

Seine Vision ist, dass man Pulverschnee für alle verfügbar – auch in den Skigebieten – auf einigen Pisten in den Skigebieten anbieten kann. Und – „Schnee mit dem man spielen kann“, so der Jungpapa Bacher, der von beschneiten Spielwiesen für die Kleinen träumt.

x  |  NOEN, Bettina Eder


In Obergurgl teilt man diese Vision, denn dort läuft seit letztem Winter in einem Freiluftlabor ein von den anderen Skigebieten viel beachteter Test. Das Nassfeld, Mayerhofen und Co. sind nur einige der Skigebiete, die sich schon gemeldet haben.

Dennoch wird derzeit noch geforscht und verbessert, in zwei Jahren will man in die Serienproduktion gehen. „Es gibt derzeit noch mehrere Schrauben an denen wir drehen müssen. Bei der Produktionsrate gibt es noch Luft nach oben“, so Bacher.

Einen Berg hat der Tiroler dennoch in seiner Wahlheimat gefunden – wenn auch einen kleinen. Denn er baute sich sein Haus auf der Mörbischer Anhöhe mit freiem Blick auf den See. Und das ist auch seiner Meinung nach das Besondere am Burgenland. Bacher schwärmt: „In Tirol ist alles auf das finale Ziel, nach oben zu klettern, um eine schöne Aussicht zu haben, ausgerichtet. Und hier im Burgenland hat man sie von Haus aus.“