Erstellt am 09. August 2011, 13:16

Nowotny fordert Gegensteuern in Schuldenkrise. Angesichts der Schuldenkrisen in Europa und USA, Konjunktursorgen und Börseabstürzen drängte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Rat Ewald Nowotny am Dienstag die Politiker, schneller und entschiedener gegenzusteuern.

Angesichts der Schuldenkrisen in Europa und USA, Konjunktursorgen und Börseabstürzen drängte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) und EZB-Rat Ewald Nowotny am Dienstag die Politiker, schneller und entschiedener gegenzusteuern. In Europa müsse die Politik die Beschlüsse des Eurogipfels vom Juli wirklich rasch umsetzen, forderte er.

Hier gebe es Verzögerungen und Unsicherheit. Alle Staaten müssten ihre Finanzen stabilisieren. Nowotny zeigte sich im ORF-Mittagjournal sehr besorgt und ortet bereits gewisse Parallelen zu der Krise nach der Lehman-Pleite. Der Notenbanker verteidigte zudem die Anleiheaufkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB).

Ob die Krise schon so schlimm sei wie "Lehman" 2008, wurde Nowotny in dem Interview gefragt: "Das würde ich derzeit nicht sagen" - realistischerweise müsse man aber sehen, dass es "gewisse Parallelen" gebe. Beispielsweise, dass die Banken in ihrer Kreditvergabe vorsichtig werden, und dass sie in zunehmendem Maß Geld bei der EZB parkten. Die Einlagen bei der EZB seien massiv angestiegen. "Das ist kein gutes Zeichen", meinte der OeNB-Gouverneur.

Wichtig sei es, hier Stabilität und Sicherheit herzustellen, mahnte Nowotny. Ob die Kursstürze an den Börsen weitergehen, dazu vermag er keine Prognose abzugeben. Börsen seien sehr sensibel und oftmals irrational. Das Börsegeschehen sei durch Erwartungen bestimmt, und eine Beeinflussung dieser Erwartungen sei nur im begrenzten Maß möglich.

Im EZB-Rat sei sehr ausführlich diskutiert worden, welche Risiken mit den jüngsten Aktionen (neue Anleihe-Aufkäufe, Anm.) verbunden seien. "Natürlich hat jedes Handeln Risiken", räumte Nowotny ein. Aber es sei besser als "Nicht-Handeln". In dieser Situation gebe es keine Maßnahme, die ohne Risiko sei. Nowotny bekräftigte aber, dass es damit zu keiner Ausweitung der Geldmenge komme, es sei damit keine Inflationsproblematik verbunden.

Die EZB hatte am Sonntagabend signalisiert, dass sie nun auch Staatsanleihen der großen Euroländer Italien und Spanien kaufen will. Händler hatten am Montag berichtet, dass mehrere europäische Zentralbanken italienische und spanische Bonds aufkauften.