Erstellt am 07. Dezember 2012, 11:22

Nowotny sieht Euroraum eindeutig in Rezession. Die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum befindet sich laut OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny eindeutig in einer Rezessionssituation.

Der Tiefpunkt der Konjunktur werde in diesem Quartal erreicht sein, sagte Nowotny am Freitag anlässlich der Herbstprognose in Wien. Er könne aber nicht ausschließen, dass dieser Punkt wieder nach hinten verschoben werden muss.

Erstmals hat Nowotny die Prognoserevisionen der EZB vorgelegt. Demnach wurde die Wachstumsprognose für 2012 von ursprünglich -0,1 Prozent auf -0,4 Prozent und zuletzt auf -0,5 Prozent reduziert. Für 2013 fielen die Revisionen noch dramatischer aus, nämlich von ursprünglich 1,1 Prozent Plus auf 1,0 Prozent, dann 0,5 Prozent und zuletzt auf -0,3 Prozent.

Das Bild der EZB-Prognose sei zwiespältig. Einerseits gebe es positive Signale am Anleihemarkt, wo die Renditeaufschläge seit Jahresmitte deutlich zurückgegangen seien, andererseits hätten sich die Aktienmärkte sehr gut entwickelt - wenn man dies als vorauseilenden Indikator sehen wolle. Bei der Inflation sehe man eine sinkende Tendenz, eine tendenziell positive Entwicklung.

Problematisch sei die Realwirtschaft. Hinter der Prognosereduktion für 2013 im Euroraum auf -0,3 Prozent stehe im einzelnen ein Minus beim staatlichen Konsum von 0,6 Prozent und von -2,6 Prozent bei den Investitionen - hauptsächlich die öffentlichen Investitionen gingen stark zurück. Gegengewicht seien die Exporte, bei denen ein Plus von 2,6 Prozent erwartet werden. Insgesamt ergebe sich ein "sehr negativer Wert" für den gesamten Euroraum. "Wir sind eindeutig in einer Rezessionssituation", so Nowotny.

Nowotny geht davon aus, dass die letzten Prognosen der OECD für die einzelnen Euroländer noch zu optimistisch sind. Von 15 werden 7 schrumpfen, in größeren Ländern sei ein Stagnation zu erwarten. Viele Staaten werden noch unter dem Vorkrisenniveau von 2007 bleiben. Österreich und Deutschland gehörten unter den Industriestaaten zu den einzigen, die darüber liegen werden. "Insgesamt eine sehr schwierige Situation", attestierte Nowotny.