Erstellt am 27. Juli 2011, 11:45

Oberwart-Friedberg: Letzter Zug fährt am Sonntag. Der 1. August am kommenden Montag bringt im Südburgenland für Wien-Pendler eine Änderung: Per Bahn geht es dann nicht mehr in die Bundeshauptstadt, der Personenverkehr zwischen dem burgenländischen Oberwart und dem steirischen Friedberg wird eingestellt.

Die Bürgerinitiative "Südburgenland Pro Bahn" hat lange für dessen Erhalt gekämpft und muss sich nun fürs Erste geschlagen geben. Um den "letzten Zug" gebührend zu verabschieden, lädt die Initiative am kommenden Sonntag zu einer "Gedenkveranstaltung".

"Wir werden uns um 19.30 Uhr am Bahnhof in Oberwart treffen. Es wird Musik und eine Ansprache geben, eventuell werden wir auch eine Schweigeminute einlegen", so Dietrich Wertz, Sprecher von "Südburgenland Pro Bahn", zur APA. In aller Ruhe werde man anschließend zum Rathaus marschieren, um dort einen Kranz niederzulegen. "Auf der Trauerschleife wird 'An jedem Ende steht ein Anfang' stehen, denn aufgeben werden wir jetzt noch nicht", erklärte er.

Im April gaben die ÖBB offiziell bekannt, dass der Personenverkehr auf dieser Strecke eingestellt werde. Begründet wurde dieser Schritt in einer Aussendung mit dem Ergebnis von Frequenzzählungen: Diese hätten an Werktagen eine durchschnittliche Fahrgastzahl "im einstelligen oder im unteren zweistelligen Bereich" ergeben. Unmittelbar danach formierte sich die Bürgerinitiative und startete mit einer Unterschriftenaktion. "Wir haben eine Resolution mit 5.000 unterstützenden Unterschriften im Parlament eingebracht", blickte Wertz zurück.

Auch seitens der Politik gab es Rückendeckung: Die Grüne Nationalratsabgeordnete Christiane Brunner, selbst Südburgenländerin, brachte eine Petition im Nationalrat ein. Danach folgte Ende Mai in Oberwart ein sogenannter "Aktionstag" und Ende Juni ein Protestmarsch in der Landeshauptstadt, den man nutzte, um dem burgenländischen Landtagspräsidenten Gerhard Steier (S) symbolisch die gesammelten Unterschriften zu überreichen.

Im anschließenden Landtag wurde die Thematik ebenfalls behandelt. Grün-Abgeordneter Michel Reimon kündigte zuvor an, einen Dringlichkeitsantrag für den Erhalt des Personenverkehrs einzubringen. Dieser Antrag kam dann allerdings von den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP, jedoch zur "Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs im Südburgenland". Reimon brachte diesbezüglich einen Abänderungsantrag mit dem Zusatz "Oberwart-Friedberg soll erhalten bleiben" ein. Unterstützung gab es von den Oppositionsparteien FPÖ und Liste Burgenland.

Landeshauptmann Hans Niessl hatte mehrmals betont, dass die Strecke von Oberwart nach Wien nur von 50 Bahnpendlern genutzt werde. Hingegen würden 750 Personen mit dem Bus in die Bundeshauptstadt fahren. Laut Bürgerinitiative sei das zwar korrekt, jedoch einzig und allein auf das schlechte Angebot der Bahn zurückzuführen. Das müsse aufgewertet werden, dann würden mehr Menschen mit dem Zug nach Wien pendeln. "Südburgenland Pro Bahn" will daher weiterhin für den Personenverkehr auf dieser Strecke kämpfen. "Wir werden weiterhin an konstruktiven Plänen und Vorschlägen arbeiten", kündigte Wertz an.