Erstellt am 02. Oktober 2015, 12:35

ÖAMTC legt Fakten zur Abgasmessung auf den Tisch. Tricks bei der Messung von Emissionen von Fahrzeugen etwa durch Softwaremanipulation sind Betrug, betont der Autofahrerclub. Sie schaden der Umwelt, den Konsumenten und der Automobilbranche. Das ändere aber nichts daran, dass das europäische System bei der Reduktion von Schadstoffen sehr erfolgreich sei.

 |  NOEN, Symbolbild
"Betrügerische Tricks zur Reduktion der Emissionen von Fahrzeugen nur im Prüfzyklus gehören geahndet und sanktioniert", betont ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang, stellt aber gleichzeitig klar: "Das EU-System zur Reduktion der Kfz-Emissionen ist eine Erfolgsgeschichte. Und mit Euro-VI ist ihr nächstes Kapitel aufgeschlagen worden."

Hintergrund: Für Kohlenstoffmonoxid (CO), Stickstoffoxide (NOx), Kohlenwasserstoffe (HC) und Partikel (PM) gibt es laufend verschärfte Grenzwerte. Dadurch wurden die Emissionen im Straßenverkehr drastisch reduziert. So stoßen Diesel-Fahrzeuge in den Testzyklen heute etwa 95 Prozent weniger Partikel aus als noch 1992.

Neue Euro-VI-Vorschrift entschärft Emissionsprobleme weiter

Die Stickstoffoxid-Emission liegt bei einem modernen Selbstzünder ca. 90 Prozent unter dem Wert von Anfang der 1990er Jahre. Die neue Euro-VI-Vorschrift ist seit dem 1. September 2015 für alle in der EU neu zugelassenen Fahrzeuge bindend. Sie wird - davon ist man beim ÖAMTC überzeugt - bisherige Emissionsprobleme weiter entschärfen.

Neue Technologien (z. B. SCR-Katalysatoren mit AdBlue) seien - so Lang - ein entscheidender Beitrag zur Lösung der noch verbleibenden Emissions-Probleme.

Messungen unter realen Bedingungen gefordert

"Aber auch eine umsichtige Verkehrspolitik, die den Verkehr im Fluss hält („grüne Welle“) ist zur Reduktion von  Emissionen wichtiger denn je", betont der Experte. Insgesamt sei jetzt Realitätsnähe angesagt. Das heißt für den ÖAMTC: "Raus aus dem Labor, rein ins echte Verkehrsleben. Die Messung von Emissionen muss unter realen Bedingungen auf der Straße erfolgen!"

Das fordere der ÖAMTC schon lange – zuletzt vergeblich bei der Einführung von „Tempo 80“ auf der A1 bei Salzburg. Klar sei auch: "Realistischerweise zu erwartende höhere Werte bei der Typprüfung ab 2017 dürfen nicht zu höheren Steuern für die Autofahrer führen. Hier bedarf es analog entsprechender EU-Regelungen eines Korrekturfaktors, um zusätzliche Belastungen für die Autofahrer zu vermeiden."

ÖAMTC-Fakten zur Abgasmessung auf einen Blick:

  • Tricks zur Senkung von Emissionen bei Tests sind Betrug an der Umwelt, den Konsumenten und der gesamten Branche.

  • Das europäische System zur Reduktion der Emissionen hat sich bewährt.

  • Die Testzyklen für die Typenprüfung werden ab 2017 praxisnäher gestaltet.

  • Dadurch festgestellte höhere Verbrauchswerte für bereits typengenehmigte Fahrzeuge dürfen nicht zu höheren Steuern für die Autofahrer führen.

  • Eine Erhöhung der MÖSt auf Diesel wegen der großen Bedeutung des Tanktourismus würde nur die Steuerlast für die Österreicher erhöhen, insgesamt aber zu keinen höheren Steuereinnahmen führen.


Details zu PKW-Steuern & NOx

  • Normverbrauchsabgabe: Kauft man ein neues Auto, dann wird die Normverbrauchsabgabe (NoVA) fällig. Diese richtet sich seit März 2014 ausschließlich nach den CO2-Emissionen, die im Testzyklus ermittelt werden.

  • Motorbezogene Versicherungssteuer: Auch der Besitz eines Autos wird besteuert. Mit der Versicherungsprämie wird die motorbezogene Versicherungssteuer eingehoben. Sie richtet sich nach der Leistung (in kW) des Fahrzeugs und wurde im März 2014 zuletzt verschärft.

  • Mineralölsteuer: Für jeden einzelnen Liter Kraftstoff, den man tankt, ist ein Fixbetrag an Mineralölsteuer fällig (39,7 Cent pro Liter Diesel bzw 48,2 Cent pro Liter Benzin). Damit werden auch Fahrleistung und Verbrauch besteuert. Inklusive Umsatzsteuer liegt die steuerliche Belastung von einem Liter Kraftstoff bei bis zu 56 Prozent (3. Quartal 2015, Superbenzin: 55,9 Prozent, Diesel: 52,9 Prozent).

  • NOx-Ausstoß: Ist bei der Typgenehmigung relevant. Für den einzelnen Fahrzeugbesitzer hat er keine steuerlichen Konsequenzen. Das heißt für die aktuelle Diskussion: Nur wenn eine Nachbesserung manipulierter Motoren eine nachweisbare Änderung der Leistung oder CO2-Emissionen zur Folge hätte, sind steuerliche Konsequenzen denkbar.