Erstellt am 20. Januar 2011, 16:30

ÖBB-Personenverkehrschefin Lutter geht. Die Vorstandssprecherin der ÖBB-Personenverkehr AG, Gabriele Lutter, verlässt die Bahn. Ihr Vertrag läuft mit Ende 2011 aus. Bahnchef Christian Kern will bereits "in den kommenden Tagen" mit der Nachfolgesuche beginnen, teilte die ÖBB am Donnerstagnachmittag mit.

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Lutter dürfte wegen des massiv kritisierten Winterfahrplans unter Druck geraten sein. Die Aufregung über die neuen Ticketregelungen dürften ihr übriges getan haben, heißt es.

Sobald ein Nachfolger gefunden ist, werde Lutter der Personverkehr AG nur mehr "in beratender Rolle zur Verfügung stehen", hieß es auf APA-Anfrage. Mit Jahresende wolle sie aber jedenfalls ihr Engagement bei der Bahn beenden. Sie gehe aus "persönlichen Gründen", wolle sich beruflich verändern.

Nun wird das Management der Personenverkehrstochter der Bahn komplett ausgetauscht. Erst gestern war offiziell geworden, dass die ÖBB einen neuen Personenverkehrs-Finanzvorstand suchen. Finanzvorstand Andreas Fuchs soll dem Vernehmen nach als Krisenfeuerwehr zum Güterverkehr (Rail Cargo Austria) wechseln. Der Posten von Vorstand Werner Kovarik, der Ende Februar den Hut nehmen muss und mit reduzierten Bezügen in die ÖBB-Holding wechselt, wird nicht nachbesetzt.

Lutter habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. "Gemeinsam mit meinem Team konnte ich für unsere Kunden viele Erfolge erzielen und mir haben meine Aufgaben und die Zusammenarbeit mit meinen Kollegen viel Freude bereitet", wird sie in einer Aussendung zitiert. "Ich werde meine Erfahrungen und mein Wissen meiner Nachfolgerin oder meinem Nachfolger selbstverständlich zur Verfügung stellen, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten. Für das Unternehmen darf kein Stillstand eintreten und der eingeschlagene Weg soll mit vollem Engagement weitergeführt werden."

Lutter (Jahrgang 1962) ist seit 2007 Vorstandsmitglied und seit 2008 Vorstandssprecherin der ÖBB-Personenverkehr AG. Zuvor war sie Prokuristin der Schienen-Control (von 2000 bis 2007) und im Verkehrsministerium tätig. Dort leitete sie von 1997 bis 2000 die Bundesbahn-Geschäftsstelle. Begonnen hat sie ihre Karriere aber bei der Bahn, von 1987 bis 1996 arbeitete sie in der Generaldirektion der Bahn.

Bahnchef Kern "bedauert" die Entscheidung Lutters und bedankte sich via Aussendung "für die Zusammenarbeit und die konstruktiven und offenen Gespräche." "Wir machen uns sofort auf die Suche nach einer/m geeigneten Nachfolger/in."

Lutter dürften vor allem die Neuregelungen für kombinierte Hin-und Rückfahrscheine bei Strecken über 100 Kilometer zum Verhängnis geworden sein. Ursprünglich hatte die ÖBB im Sinn, dass für die Rückfahrt ein genaues Datum angegeben werden muss und der Fahrschein nur an diesem sowie am Folgetag gilt. Im Jänner musste die Bahn dann zurückrudern: Vorerst (bis Ende Jänner) sind die Tickets wieder wie gehabt ein Monat gültig und das Reisedatum frei wählbar.