Erstellt am 31. Mai 2011, 14:17

ÖBB setzen künftig auf europäisches Zugsicherungssystem ETCS. Die ÖBB werden ab dem 9. Dezember 2012 das europäische Zugsicherungssystem "ETCS" (European Train Control System) in Betrieb haben.

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 Diese digitale Bahntechnologie trage dazu bei, dass mehr Züge, kürzere Zugfolgen und höhere Zuggeschwindigkeiten auf Österreichs Bahnstrecken möglich sein werden, meinten die Verantwortlichen am Dienstag im Rahmen einer Probefahrt auf einer Teststrecke in Tirol. Andererseits würde ein Funksystem anstelle der herkömmlichen Signalanlagen auch für mehr Sicherheit sorgen.

   Beim sogenannten "ETCS Level 1" würden die Signale, wie etwa die Geschwindigkeit oder die korrekte Fahrstrecke, durch in den Geleisen verlegte "Balisen" (Datenpunkte im Gleis, Anm.) an das Führerhaus der Lokomotive übertragen, erklärte Peter Kleinschuster, der Betriebsleiter der ÖBB Infrastruktur AG. Beim "ETCS Level 2" hingegen würden sämtliche Informationen per Funk an das Fahrzeug gesendet. "Die Balise meldet hier nur mehr die Position des Zuges. Auf herkömmliche Bahnsignale kann dabei verzichtet werden", meinte der Sicherheitsexperte.

Züge könnten dank ETCS künftig "viel enger hintereinanderfahren", da "keine Blockabstandssicherung mehr nötig" sei, ergänzte ÖBB-Konzernpressesprecher Herbert Ofner. Die Züge müssten auch fortan an den Grenzen nicht mehr halten. "Derzeit weist eine Lok bei grenzüberschreitenden Fahrten rund zehn verschiedene Sicherungssysteme auf. Künftig gibt es nur mehr das ETCS in Verbindung mit dem nationalen System", erläuterte Ofner.

"Das neue System wird eine enorme Erleichterung für uns sein. Wir müssen nicht mehr auf die optischen oder akustischen Signale achten, sondern bekommen alles digital auf den Führerstand gemeldet", zeigte sich Lokführer Albert Schneiter bei der Probefahrt auf der österreichweit einzigen Teststrecke zwischen Matrei am Brenner und Fritzens-Wattens über das neue Sicherungssystem erfreut. Man könne bei "größtmöglicher Sicherheit" und "bei jedem Wetter" mit einer höheren Geschwindigkeit fahren, erklärte der Eisenbahner.

Die ÖBB-Investitionen in das neue System sollen sich bis 2015 auf 200 Mio. Euro belaufen. Insgesamt 280 Kilometer Bahnstrecken sollen österreichweit mit dem "Level 1" ausgestattet werden, 305 Kilometer mit dem "Level 2", sagte ÖBB Vorstand Herwig Wiltberger. Bei letzteren handle es sich unter anderem um die Bahnachse Brenner - Kufstein samt der Neubaustrecke im Unterinntal und die Neubaustrecke Wien - St. Pölten. Weitere Maßnahmen sind laut Wildberger bis zu den Jahren 2019 bzw. 2021 eingeplant. Bis 2021 sollen die Südbahn und die Westbahn durchgängig mit ETCS befahren werden.