Erstellt am 30. Dezember 2011, 14:59

Öl-Durchschnittspreis 2011 auf Rekordhoch. Die durch die Aufstände in der arabischen Welt ausgelöste Furcht vor Versorgungsengpässen hat den Ölpreis 2011 das zweite Jahr in Folge in die Höhe getrieben.

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Die Nordsee-Sorte Brent kostete 2011 im Durchschnitt etwa 111 Dollar (86,10 Euro) je Barrel, so viel wie noch nie. Die bisherige Höchstmarke von knapp 100 Dollar datiert aus dem Jahr 2008.

Mit einem Preis von 108,15 Dollar summierte sich das Plus der vergangenen zwölf Monate auf rund 14 Prozent. Die US-Ölsorte WTI verteuerte sich im gleichen Zeitraum um knapp zehn Prozent auf aktuell 99,88 Dollar. Damit gehört Rohöl zu den ertragreichsten Geldanlagen des Jahres.

Das erklärt auch großteils den Anstieg der Treibstoffpreise an den Zapfsäulen: Laut Autofahrerclub ÖAMTC stieg der Superbenzinpreis im Vergleich zum Vorjahr um 13,2 Prozent, der Dieselpreis sogar um 18,6 Prozent. Ohne Steuererhöhung zu Jahresbeginn ("CO2-Abgabe") wären die Preise um 9,3 beziehungsweise 13,3 Prozent gestiegen.

Der Rekord beim Ölpreis hat auch die seit Jahrzehnten geführte Debatte wieder angeheizt, wann die Ölvorräte zur Neige gehen. Die Fachwelt ist in dieser Frage seit langem gespalten. "Das gesamte geförderte Rohöl wird umgehend verbraucht", sagt der Hamburger Ölexperte Steffen Bukold. "Der Markt ist sehr eng genäht."

Seit den 70er Jahren hat es zahlreiche Voraussagen gegeben, nach denen im Jahr 2000 oder spätestens 2010 die globale Ölförderung ihren Scheitelpunkt erreicht und die Produktion unweigerlich zu fallen beginnt - wie bei einem einzelnen Ölfeld, das irgendwann erschöpft ist.

Der Welt-Erdölkongress in Doha in diesem Monat war geprägt von Euphorie über die "großartigen Perspektiven" der Energieträger Öl und Gas. Die Welt sollte genügend Ölvorräte haben, um den Bedarf für mehr als 100 Jahre zu decken, sagte zum Beispiel Christophe de Margerie, Chef des französischen Konzerns Total. Beim Gas wird inzwischen von 250 Jahren gesprochen. Die Kritiker um den englischen Geologen Colin Campbell sehen das ganz anders. Sie halten das globale Fördermaximum für erreicht.