Erstellt am 04. April 2011, 13:59

Ölindustrie warnt vor Mehrkosten bei E10-Einführung. Die Landwirtschaftskammer will mehr Treibstoff vom Acker verkaufen, für die Autofahrer könnte dies aber sehr teuer werden. "Bei der E10-Einführung kommen auf die österreichischen Autofahrer geschätzte Mehrkosten von etwa 60 Mio. Euro zu", warnt Christoph Capek, Geschäftsführer des Fachverbands der Mineralölindustrie.

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Und nicht nur die Autobesitzer würden zum Handkuss kommen, geben die Grünen zu bedenken. "Wenn wir in Europa Ethanol in den Kraftstoff mischen, wird das Klima geschädigt, werden Regenwälder vernichtet und hungern Menschen", so der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber.

Stimmt nicht, betont hingegen Landwirtschaftskammer-Präsident Gerhard Wlodkowski. "Biosprit treibt sicher nicht die Lebensmittelpreise in die Höhe", so Wlodkowski. Es gebe in Österreich keine Konkurrenz zwischen "Tank und Teller", weil es "genügend Anbauflächen" gebe. Es werde zum Beispiel Mais nach Italien exportiert, der für die Biosprit-Produktion verwendet werden könnte. Die Einführung des Biotreibstoffs E10 in Deutschland sei vor allem "schlecht vorbereitet gewesen". Das Match zwischen Mineralölindustrie und Autoherstellern habe die Autofahrer verunsichert. Für die Erhöhung der Beimischung in Österreich auf 10 Prozent im Herbst 2012 sehe er aber "kein Problem". Das sieht Capek anders. "Der Einführungszeitpunkt von E10 sollte nicht schon am 1. Oktober 2012 sein, sondern sollte frühestens mit 1. Oktober 2014 festgelegt werden."

Am Wochenende hatte die deutsche Lebensmittelbranche Alarm geschlagen. "E10 verschärft den Preisdruck dramatisch, weil viel Futtermittel in die Biogas- und Bioethanolgewinnung verschwindet", sagte der Geschäftsführer des größten deutschen Fleischwarenherstellers Tönnies Fleischwerk, Clemens Tönnies, der "Bild"-Zeitung. Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter rechnete vor: "142 Mio. Tonnen Getreide wurden weltweit im letzten Jahr für Biosprit verbraucht - genug, um 420 Mio. Menschen ein Jahr lang zu ernähren. Mit jeder 50-Liter-Tankfüllung des Biokraftstoffs E10 liefen 15 Kilogramm Getreide in den Tank. Die gleiche Menge Getreide reiche zur Herstellung von rund 18 Kilogramm Brot."

Im ersten Halbjahr 2011 soll ein E10-Treffen unter der Ägide von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (V) stattfinden. Dies wurde beim "Spritpreisgipfel" am 24. März vereinbart.