Erstellt am 27. März 2012, 13:13

Österreichs Exporte nach Japan machten 2011 1,3 Mrd. Euro aus. Das heutige Japan ist nicht mehr das wie vor dem März 2011. Erstmals seit 1980 habe das Land mehr importiert als exportiert.

Österreichs Exporte nach Japan haben im Vorjahr mit fast 1,3 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert erreicht, sagte der österreichische Wirtschaftsdelegierte in Japan, Martin Glatz, am Dienstag in Wien vor Journalisten.
 
Das Erdbeben, der Tsunami und die anschließende Atomkatastrophe von Fukushima haben zu einem Umdenken der Japaner geführt. Anstatt die Kernenergie weiter auszubauen, sei derzeit nur einer der 54 Reaktoren am Stromnetz. Heute sei die Bevölkerung aber nicht mehr so entschieden gegen Atomenergie wie direkt nach dem Unglück, beschrieb Glatz die Stimmung.
 
Alternative Energiequellen seien in Japan aktuell sehr gefragt. Interessant sei etwa das burgenländische "ökoEnergieland" im Bezirk Güssing. Außerdem werde neben Wind- und Sonnenenergie auch in Biomasse investiert. Österreich könne da mit Pellets und Öfen punkten. Kurzfristig seien in Japan aber die Importe von Öl, Gas und Kohle gestiegen.
 
Die österreichischen Exportschlager waren im Vorjahr Holz, Autos und Maschinen im Eisenbahnsektor. Von Japan importiert wurden in erster Linie Baumaschinen, elektronische Geräte wie Kameras und Drucker und Pkws. Nach den Lieferengpässen in der Automobilindustrie versuchen die japanische Autoproduzenten nun, unabhängiger von einzelnen Lieferanten zu werden. "Man stellt sich breiter auf", fasste Glatz zusammen.
 
Japan habe sich 2011 nach der Katastrophe stärker für die "Märkte vor der Haustüre" geöffnet, so Glatz. Er hält aber auch eine Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU noch diesen Juni für möglich. Japanische Betriebe würden mehr im Ausland, auch in Österreich, investieren.
 
Die wirtschaftliche Entwicklung Japans sei nach wie vor gedämpft. Das Bruttoinlandsprodukt gab 2011 um 0,9 Prozent nach. Aktuell sucht die japanische Regierung laut Glatz nach einer Mehrheit für die Erhöhung der Umsatzsteuer von 5 auf 10 Prozent. Die hohe Staatsverschuldung Japans von mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sei momentan kein Problem. Aber: "Das muss nicht so bleiben".
 
Für 2012 geht Glatz von keiner weiteren Steigerung des Exportvolumens aus. Durch den Wiederaufbau, der erst jetzt anlaufe, und das dafür notwendige Bauholz aus Österreich werde man das Niveau halten können