Erstellt am 15. Juli 2011, 20:59

ÖVAG fiel durch, aber Staat steht notfalls bereit. Beim europaweiten Belastungstest der Großbanken ist in Österreich die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) durchgefallen.

Beim europaweiten Belastungstest der Großbanken ist in Österreich die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) durchgefallen. Die weiteren getesteten Großbanken, die Erste Group, Raiffeisen Bank International (RBI) und die Bank Austria (via italienischer Mutter UniCredit) bestanden das "Belastungs-EKG", wie die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) den Stresstest bezeichnete.

Die ÖVAG-Führung hat ihre geplanten Schritte bekräftigt, um ihre Kernkapitalquote zu erhöhen, auch das Finanzministerium steht mit weiteren Hilfsmaßnahmen bereit, sollte dies notwendig werden. Die ÖVAG selbst hat demgegenüber weiter vor, heuer mit der Tilgung der Staatshilfe zu beginnen.

Die ÖVAG hat die 5-Prozent-Schwelle beim Eigenkapital unter einem Schockszenario nicht geschafft, ist also durchgefallen. Ausgehend von 6,4 Prozent Kernkapital nach der strengen Definition der europäischen Bankenaufsicht EBA würde die mit Staatskapital massiv unterstützte ÖVAG unter harten Krisenszenarien Ende 2012 auf nur 4,5 Prozent Kernkapital kommen. 150 Mio. Euro fehlten ihr auf zumindest 5 Prozent.

Allerdings sind bei der ÖVAG schon kapitalstärkende Maßnahmen eingeleitet. Darunter der gestern paktierte Verkauf der Volksbank International (VBI) an die russische Sberbank und der Verkauf des RZB-Anteils. Damit kommt die Bank dann auch "unter Stress" wieder über die kritische Schwelle und sogar in Richtung europäisches Mittelfeld.

"Natürlich ist ein solches Testergebnis unerfreulich", sagte Vorstandschef Gerald Wenzel am Freitagabend. "Und wir nehmen es natürlich ernst." Er sieht aber "professionelle Marktteilnehmer" um sich, denen man ganz gut erklären könne, wie man gegensteuern wird.

Sollte die ÖVAG nicht in der Lage sein, einen glaubwürdigen Kapitalisierungsplan fristgerecht zu implementieren, sei die Republik Österreich bereit, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um die finanzielle Stabilität sicherzustellen. Darüber informierte das Finanzministerium in einer schriftlichen Stellungnahme.