Erstellt am 05. April 2012, 13:15

ÖVAG mit Mrd-Verlust - Woher die Bilanzlöcher?. 1,345 Mrd. Euro Verlust hat das Jahr 2011 der Volksbanken AG (ÖVAG) in der AG-Bilanz gebracht. In der Konzernbilanz ist es knapp eine Milliarde (959 Mio. Euro).

Nur ein radikaler Kapitalschnitt und eine Teilverstaatlichung lassen das Spitzeninstitut der Volksbanken jetzt weiterleben.

Begonnen hat das Desaster, nachdem die ÖVAG 2005 die Investkredit mitsamt der Kommunalkredit gekauft hat. Die Kommunalkredit-Mehrheit musste 2008 um einen Euro dem Bund umgehängt werden. Anfang 2009 musste das erste Mal Staatsgeld in die ÖVAG eingeschossen werden. Davon ist der größte Teil jetzt abzuschreiben.

Im April 2012 muss der Bund jetzt neu einschießen, der Staat übernimmt mitsamt eines mehr als 40-prozentigen Aktienpakets in der ÖVAG für die nächsten Jahre das Ruder. Um ein Drittel auf bis zu zehn gekürzt wird die Zahl der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat.

Am Donnerstag hat die ÖVAG vorläufige Daten für 2011 publiziert. Dabei ist die verlustbeseitigende Kapitalherabsetzung noch nicht berücksichtigt, weil sie erst mit dem Hauptversammlungsbeschluss am 26. April rechtswirksam wird. Nach dem Kapitalschnitt verbliebe für 2011 ein Verlust von 53,5 Mio. Euro, berichtete die Bank.

So kamen die Bilanzlöcher im Bilanzabschluss 2011 zustande (Auswahl der größten Brocken):

Vorsorgen für Länderrisiken belasteten um 337 Mio. Euro: Allein wegen der Griechen-Umschuldung mussten ja alle Hellas-Anleihen wertberichtigt werden (Ergebnisbelastung: 160 Mio. Euro). Weiters wurden CDS/Credit Default Swaps, die bisher als Finanzgarantien erfasst waren, rückwirkend abgewertet (Ergebnisbelastung 59 Mio. Euro 2011 und 28 Mio. Euro 2010).

Beteiligungs-Abwertungen kosteten 880,5 Mio. Euro:

Dabei wurde ein "Verschmelzungsverlust" (321,6 Mio. Euro) aus der jetzt doch wieder stattfindenden Fusion der ÖVAG mit der Investkredit vorweggenommen. Die nach dem VBI-Verkauf weiter bei der ÖVAG verbliebene Volksbank Rumänien wurde (299,1 Mio. Euro) zur Gänze abgeschrieben.

Auch der Verkauf der Volksbank International (VBI, alle Ostbanken außer Rumänien) an die russische Sberbank endete unterm Strich mit einem Verlust von 160 Mio. Euro. Der erst heuer abgeschlossene VBI-Verkauf brachte 80 Mio. Euro weniger als letztes Jahr vereinbart (unter Buchwert), außerdem mussten 80 Mio. Euro für Verluste der Ungarn-Tochter nachgeschossen werden - ebenfalls bei den Beteiligungsabwertungsposten verbucht. Und das Partizipationskapital der ÖVAG an der staatlichen Kommunalkredit (wo jetzt ebenfalls ein Kapitalschnitt bevorsteht) wurde auf Null abgeschrieben (142,5 Mio. Euro).

Ein weiterer Abschreibungsbrocken waren schließlich noch Immobilieninvestments, wo die Bank Eigenkapitalinvestor ist und weitere Beteiligungsabwertungen (76 Mio. Euro).

Die fast einzige positive Nachricht zur Bilanz 2011: Die reinen Kreditrisikovorsorgen und Kreditwertberichtigungen sanken 2011 um 176 auf 104 Mio. Euro.

Die Konzern-Bilanzsumme lag Ende Dezember (noch inklusive der VBI) bei 41,1 Mrd. Euro. Das waren 5,4 Mrd. Euro weniger als ein Jahr davor. Grund waren Verkäufe (1,7 Mrd. Euro, Europolis) und Entkonsolidierungen (4,8 Mrd. Euro, Volksbank Rumänien). Nach dem VBI-Verkauf lag die Bilanz in etwa bei 32 Mrd. Euro. Bereinigt beschäftigte die ÖVAG im Konzern zum Ultimo 2.038 Leute.