Erstellt am 08. März 2016, 09:30

von NÖN Redaktion

Opferschutzgruppe im Krankenhaus Eisenstadt. Anlässlich des Weltfrauentages wollen das Frauenhaus Burgenland, das Land Burgenland und das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder über das EU-Projekt „Implement“ sowie die Aufgaben einer Opferschutzgruppe im Krankenhaus informieren und auf das Thema Gewalt gegen Frauen aufmerksam machen.

Die Workshops wurden durchgeführt von (v.l.n.r.): Dr. Margit Plainer (BB Eisenstadt), Mag. Maria Rösslhumer (Autonome Österreichische Frauenhäuser), Mag. Sonja Platzer (BB Eisenstadt), Mag. Isabel Bernhardt (Frauenhaus Burgenland)  |  NOEN, zvg
Um das Angebot für Gewaltopfer möglichst flächendeckend gewährleisten zu können und, um dem medizinischen und pflegerischen Fachpersonal den erforderlichen institutionellen Rückhalt zu bieten, sind Träger von Schwerpunktkrankenhäusern gesetzlich verpflichtet, Opferschutzgruppen für Betroffene häuslicher Gewalt einzurichten. Das ist im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Kooperation mit dem Frauenhaus Burgenland bereits erfolgt.

Was erfolgreiche Frauenpolitik auszeichnet, fasst Landesrat Mag. Norbert Darabos wie folgt zusammen: „Frauenorientierte Politik ist für mich dann erfolgreich, wenn sie Frauen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht.“ Das Burgenländische Frauenhaus bietet speziell Frauen in Not Hilfe, Beratung und Unterkunft, wenn sie diese benötigen. „Und auch, wenn ich mir persönlich wünsche, dass keine Frau und kein Kind Zuflucht in einem Frauenhaus suchen muss, die Realität sieht leider anders aus.“

Die Inanspruchnahme des Frauenhauses in den letzten Jahren hat gezeigt, dass es Gewalt gegen Frauen und Kinder auch im Burgenland gibt. Mit der Durchführung des Projekts „Implement“ kommt das Krankenhaus damit der Forderung, an öffentlichen Spitälern des Landes, „Opferschutzgruppen für volljährige Betroffene häuslicher Gewalt einzurichten“, nach.

Durch Schulungen des Krankenhauspersonals wird dieses mit jenen Fähigkeiten und Kompetenzen ausgestattet, die notwendig sind, um im Ernstfall richtig zu reagieren. „Im Angesicht der immer weiter steigenden Fälle von häuslicher Gewalt ist die Installation solcher Opferschutzgruppen in unseren Häusern eine wichtige Investition in die Zukunft. Für mich ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ich dieses Projekt unterstütze.“, erklärt Darabos.

„Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte sind häufig die ersten Ansprechpersonen für Opfer von Gewalt. Ihnen kommt daher eine Schlüsselrolle nicht nur bei der effizienten medizinischen Behandlung der Betroffenen, sondern auch hinsichtlich der Aufklärung von Gewalttaten zu. Es ist uns ein großes Anliegen, Gewalt aufzudecken und die Opfer zu unterstützen und zu schützen“, und ergänzt: „Wir haben das Projekt und die Schulung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Anfang an tatkräftig unterstützt und freuen uns, dass sich viele aktiv für den professionellen Opferschutz engagieren“, erklärt Direktor Robert Maurer, MSc MBA.

Zuflucht finden Gewaltopfer unter anderem im „Frauenhaus Burgenland“. Dieses widmet sich seit nunmehr 12 Jahren dem Schutz von Frauen und Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind und ist aus der sozialen Landschaft des Burgenlandes nicht mehr wegzudenken. Die Vorstandsvorsitzende Gabriele Arenberger: „Von 2004 bis Ende 2015 konnten wir insgesamt 412 Frauen mit Ihren 462 Kindern Schutz und Sicherheit bieten.“

Sie erklärt weiter: „Das Frauenhaus Burgenland wird über ein Fixbudget der Landesregierung finanziert, welches uns ermöglicht, den Frauen und ihren Kindern einen kostenlosen Aufenthalt im Frauenhaus zu bieten. Eine 24-Stunden Rufbereitschaft gewährleistet, dass sich Frauen, die von Gewalt betroffen sind, rund um die Uhr sieben Tage die Woche an uns wenden können.“

Für einen professionellen Opferschutz sind die Etablierung eines institutionalisierten Überweisungssystems und damit die enge Zusammenarbeit von Gesundheitsinstitutionen und Frauenhilfsorganisationen unerlässlich. Das weiß auch Gewaltschutzexpertin Mag.a Isabel Bernhardt: „So konnten in enger Kooperation zwischen zwei medizinischen Projektleiterinnen des Krankenhauses und einer Gewaltschutzexpertin des Frauenhauses bisher insgesamt 57 MitarbeiterInnen aus Medizin, Pflege und Therapie geschult werden. Die TeilnehmerInnen wurden unterrichtet, gewaltbedingte Verletzungen und Beschwerden als solche zu identifizieren, das Opfer auf das Gewalterleben anzusprechen, Beweise gerichtsverwertbar zu dokumentieren und die betroffenen Personen an entsprechende regionale Hilfseinrichtungen weiter zu verweisen.“

Die Leiterin der Opferschutzgruppe am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt ist Dr.in Michaela Wagner: „Durch das Implement-Projekt können ÄrztInnen und Pflegekräfte gewaltbedingte Verletzungen noch besser erkennen, sensibel ansprechen und therapieren. Sie sind instruiert und angewiesen, die Opfer auf Wunsch entsprechenden Beratungseinrichtungen zuzuweisen“, und appelliert: „Allen Gewaltopfern möchte ich Mut zusprechen: sie sollen keine Scheu haben, sich uns anzuvertrauen, weil wir mehr für sie tun, als körperliche Wunden versorgen - wir können aktiv helfen, der Gewaltspirale zu entfliehen.“