Erstellt am 22. Januar 2012, 11:24

Portugal droht Schuldenschnitt. Mit Portugals Staatsfinanzen steht es nicht zum besten. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) warnt nun sogar vor einem Schuldenschnitt.

Sinken die Marktzinsen nicht deutlich, zeigen Berechnungen der Ökonomen, dass die Investoren dem Land in diesem Fall mehr als die Hälfte seiner Schulden erlassen müssten, damit es Chance auf stabile Staatsfinanzen hat. Das berichtet der "Spiegel".

Die Kieler Ökonomen haben für jedes Euro-Land berechnet, um welchen Betrag die Einnahmen im Haushalt die Ausgaben übertreffen müssen, damit der Finanzminister die Zinsen dauerhaft bezahlen kann. Die Idee dahinter: Nur wenn ein Staat keine neuen Schulden machen muss, um die Zinsen für bestehende Verbindlichkeiten zu bezahlen, sind seine Finanzen langfristig tragfähig.

Für Griechenland zeichnet IfW-Ökonom Henning Klodt ebenfalls ein düsteres Bild: Auch wenn die privaten Gläubiger Griechenlands auf bis zu 70 Prozent ihrer Forderungen verzichten sollten, dürfte dies dem Land kaum noch helfen. Blieben die Marktzinsen auf dem aktuellen Niveau, so die Experten, müssten Griechenland mehr als 80 Prozent seiner gesamten Verbindlichkeiten erlassen werden, damit es der Schuldenspirale entkommen kann. Das bedeutet: Neben den privaten Gläubigern wären auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Euro-Länder gefordert.

Für das Gros der Eurozonen-Mitglieder gibt Studienleiter Klodt allerdings Entwarnung - selbst für Frankreich, das seine Top-Bonität verloren hat. "Die Bewertung durch die Märkte ist viel schlechter als die tatsächliche Haushaltslage." Das gelte auch für Spanien. "Wenn die Zinsen nicht weiter steigen und das Wachstum zurückkehrt, bekommt es seine Verschuldung bald in den Griff."

Allerdings zeigen die Berechnungen, wie aussichtslos die Reformbemühungen in einem Teil der extrem verschuldeten Länder sind. Zieht das Wachstum etwa in Italien nicht deutlich an, machen die hohen Zinsen eine Haushaltssanierung nahezu unmöglich. Zur Stabilisierung der Schuldenquote müsste der Finanzminister einen jährlichen Haushaltsüberschuss in Höhe von fast sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) erzielen. "Das ist selbst bei bestem Willen utopisch", so Klodt zum "Spiegel".