Erstellt am 09. Juli 2014, 07:01

von Thomas Jorda, Bettina Eder und Wolfgang Millendorfer

Premiere gesichert, Zukunft schwierig. 1,3 Millionen Euro müssen aufgebracht werden, um die Steinbruch-Saison zu retten. Es gibt aber einige Stolpersteine.

Gedrückte Stimmung: In der Vorwoche gab Intendant Wolfgang Werner (r.) mit Esterházy-Direktor Karl Wessely die Insolvenz öffentlich bekannt. Nach künstlerischen Differenzen will man jetzt in schwierigen Zeiten zusammenhalten. Foto: BVZ  |  NOEN, BVZ
Wenn „Aida“ in St. Margarethen Premiere feiert, wird Noch-Intendant Wolfgang Werner nach der Insolvenz-Eröffnung in der Vorwoche nur ein Stein vom Herzen fallen. Die Lage im Römersteinbruch bleibt kritisch, denn viele Gläubiger, Künstler und Firmen müssen im Lauf der Saison noch bezahlt werden.

Tägliche Bezahlung der Dienste als Lösung möglich

Nach einigem Bangen können zumindest die Statisten aufatmen: Für ihre Gagen richtete Steinbruch-Eigentümer Esterházy einen Sozialfonds ein. Zudem konnten mit der Unterstützung nicht genannter Investoren erste Überbrückungszahlungen geleistet und drohende Nachfolgekonkurse abgewendet werden.

Laut Gerüchten haben einige Firmen damit gedroht, bei ausständigen Zahlungen ihr Equipment abzubauen. Ob dies rechtens ist, sei laut Elisabeth Hrastnik, Vizepräsidentin der burgenländischen Rechtsanwaltskammer, „nicht pauschal zu beurteilen“. Die Lösung jedenfalls soll in einer täglichen Bezahlung aller Dienste liegen. Insgesamt muss man 1,3 Millionen Euro aufbringen. Am Schuldenberg von 9,1 Millionen Euro ändert das aber nichts.

Könnten Gäste auf ihrem Ticket „sitzen bleiben“? 

Geld in die Kassen soll vor allem der weitere Kartenverkauf bringen. Bislang wurden „nur“ 90.000 Tickets verkauft. Das Dilemma: Die Negativ-Werbung durch die Insolvenz könnte potenzielle Besucher abschrecken. Die Angst ist nicht ganz unberechtigt: Sollten       

Vorstellungen ausfallen, könnten die Käufer auf dem Ticketpreis sitzen bleiben, so Hrastnik. Kartenverkäufe, die nun nach der Übernahme durch den Nachfolge-Betreiber – die im März gegründete Esterházy-Tochter Arenaria – getätigt werden, sind davon nicht betroffen.

Im Vorfeld abgesichert hat sich Oeticket als zentraler Kartenverkäufer: Bereits im Juni hatte dieser die Zahlung der Erlöse eingestellt: „Im Interesse unserer Kunden war das notwendig. Bei Zweifel an der Bonität müssen wir das Geld zurückhalten“, so Oeticket-Geschäftsführer Andreas Egger. Und: „Im konkreten Fall haben wir trotzdem Geld ausbezahlt, und zwar direkt an beteiligte Firmen.“

Sonderförderungen weiterhin ausständig

Dass es in St. Margarethen Tränen gegeben habe und auch menschliche Schicksale an der Insolvenz hängen, will man bei Esterházy nicht verhehlen. Dennoch soll laut Direktor Karl Wessely bei der Premierenfeier nicht gespart werden: Es werde keine„abgespeckte“ Version geben, sondern „eine glanzvolle Premiere“.

Dass die Oper in St. Margarethen Zukunft haben soll, will man bei Esterházy mit den Plänen für die kommenden Jahre beweisen. Weiter offen sind die vereinbarten 500.000 Euro Sonderförderung. Sowohl das Land („Haben keine Informationen über die Nachfolgegesellschaft“) als auch Esterházy („Kriegen keinen Termin beim Land“) haben die jeweils 250.000 Euro noch nicht einbezahlt.


Zitate:

„Es muss weitergehen und ich blicke jetzt wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft.“
Intendant Wolfgang Werner

„Wolfgang Werner ist mein Freund und eine fixe Größe in allen Zukunftsszenarien.“
Esterházy-Direktor Karl Wessely

„Der Schaden, der für den Tourismus des Landes durch den Wegfall der Oper entstehen würde, wird bewusst in Kauf genommen.“
Regisseur Robert Dornhelm übt Kritik am Land

„Natürlich steht das Land hinter der Oper. Fakt ist auch, dass die Opernfestspiele ein privates und gewinnbringendes Unternehmen waren.“
Reaktion aus dem Büro von Kulturlandesrat Helmut Bieler