Erstellt am 15. Dezember 2011, 12:47

Privatpleiten stark gestiegen. Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt heuer um 6,3 Prozent auf knapp 11.000 Anträge, wobei insbesondere die Zahl der um die 25-jährigen zunimmt.

Deren Schuldnerkarriere beginnt meist noch vor dem zwanzigsten Lebensjahr, wobei hier Handy- und Versandkosten sowie Autoausgaben besonders ins Auge stechen, so der Alpenländische Kreditorenverband (AKV).

Für das kommende Jahr prognostiziert der AKV eine weitere Zunahme der Privatpleiten um sieben bis zehn Prozent. Um drohendes Ungemach abzuwenden, werde es nicht reichen, wenn die Haushalte den Gürtel etwas enger schnallen. "Da werden schon die Daumenschrauben massiv angezogen werden", so die Einschätzung von AKV-Sprecher Wolfgang Hrobar.

Als Grund für diese drastische Bewertung nannte er die steigenden Lebensmittelkosten sowie die zurückhaltendere Vergabe von Krediten. Hauptursache für die Insolvenz sei aber weiterhin der mangelhafte Umgang mit Geld. Hier regte Hrobar einmal mehr an, das Wirtschaften mit den eigenen Ressourcen in der Schule zu unterrichten. Nach wie vor sind vom Privatkonkurs in erster Linie Männer betroffen, was die Verschuldung bei Mobilfunkbetreibern und im Handel betrifft, liegen allerdings die Frauen vorne. Als Schuldenfalle haben sich auch die lange hochgelobten Fremdwährungskredite herausgestellt. Rückläufig ist laut Hrobar die Zahl der Menschen, die durch Ratengeschäfte im Weihnachtsgeschäft in Schieflage kommen.

Bis die Schuldenfalle zuschnappt dauert es meist um die sieben Jahre, was sich auch in der Altersstatistik niederschlägt: Während bis 25 Jahre die Zahlen noch gering sind, schnellen sie danach sprunghaft in die Höhe, um bei einem Alter von 60 Jahren wieder schlagartig zurückzugehen. Den regional stärksten Anstieg bei den Privatinsolvenzen gibt es heuer in Niederösterreich mit plus 20 Prozent. Im Burgenland hingegen gibt es ein Minus von sechs Prozent. Auffallend ist weiters, dass es in Kärnten den stärksten Anstieg der abgewiesenen Privatinsolvenzen geben wird - das heißt, dass nicht genug "Restgeld" beim Schuldner vorhanden ist, um überhaupt eine Insolvenz einzuleiten.

Bei den Firmenpleiten rechnet der AKV mit einem Rückgang der Insolvenzanträge der Unternehmen um 2,7 Prozent auf knapp 6.200 Fälle. Die Branchen mit der höchsten Pleitenanfälligkeit sind nach wie vor Bau, Handel und Gastronomie. Die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze werde heuer um ca. zehn Prozent auf gut 24.000 Stellen zurück gehen. Die Insolvenzverbindlichkeiten der Firmen werden 2011 bei 3,3 Milliarden Euro liegen, ein Rückgang um beachtliche 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.