Erstellt am 04. Juni 2014, 13:30

von Katharina Zedlacher-Fink

Regionale Marktmacherin. Markt der Erde / Monika Liehl betreibt seit 2010 zweimal im Monat den Markt der Erde in Parndorf. Beim ersten „Earth Market“ Österreichs gibt es nur Produkte nach bestimmten Kriterien.

Ziegenliebe. Die Marktmacherin Monika Liehl mit einem ihrer Zicklein. Ihren Ziegenkäse gibt es am Markt der Erde in Parndorf (www.marktder- erde.at).  |  NOEN, Zedlacher-Fink

Die Banken- und Finanzkrise 2008 brachte die Parndorferin Monika Liehl zum Nachdenken. „Bei mir hat damals ein Umdenken begonnen, was Werte betrifft. Nämlich, dass es etwas anderes gibt und dass etwas anderes zählt als Geld“, erzählt sie. Bald war für sie klar, dass es nichts Wichtigeres und Wertvolleres als ein gutes Lebensmittel gebe.

Kurz später kaufte sich Liehl ihre ersten zwei Ziegen. Und weil das mit dem Käsemachen gleich so gut funktioniert hat, kaufte sie noch mehr Ziegen zu und produzierte ein Jahr später schon viel mehr Käse, als sie für den Eigenbedarf brauchte.

Gut, sauber und fair und regional als Kriterien 

Also begann sie ihren Ziegenkäse Ab-Hof zu vertreiben. Zu dieser Zeit stieß sie auch auf die Slow-Food Burgenland Bewegung. Slow Food wurde 1989 als „Internationale Bewegung zur Wahrung des Rechts auf Genuss“ ins Leben gerufen. Ziel ist der Schutz und die Förderung von traditionellen, bodenständigen Produkte der Region und des gastronomischen Erbes. Bei den regelmäßigen Stammtischen von Slow Food Burgenland kam sie mit Produzenten und Interessierten ins Reden und kam auf die Idee eines Marktes. „Ich habe gesehen, dass es so viele gute Sachen im Burgenland gibt, aber man oft so viele Kilometer fahren muss, um zu diesen Produkten zu kommen“, sagt Monika Liehl. Auf der Suche nach einem Marktkonzept sei ihr bald klar gewesen, dass sie keinen normalen Bauernmarkt machen wollte, sondern einen „Earth Market“. Für „Earth Markets“ gelten folgende Kriterien: Die Produzenten müssen strenge Qualitätsbestimmungen einhalten, keine Großbetriebe sein und nicht mehr als 40 Kilometer vom Marktstandort entfernt sein. „Es darf auch keinen Zwischenhandel geben. Am Markt der Erde wird es also niemals Handelsware geben “, erklärt die Marktmacherin.

Außerdem müssten die Produkte handwerklich, nach traditionellen Methoden und eben in der Region hergestellt worden sein. Und natürlich in allen Belangen den Vorgaben „gut, sauber und fair“ entsprechen. Liehl lässt zum Beispiel bei ihren Ziegen der Natur in puncto Fortpflanzung freien Lauf. „Das ist ganz spannend zu sehen, wann die Tiere trächtig werden. Das folgt einem natürlichen Rhythmus und führt natürlich auch dazu, dass der Winter bezüglich Milchproduktion eine ruhigere Zeit ist“, so Liehl, die aktuell 22 zu melkende Ziegen hält.

Den ersten „Markt der Erde“, er findet im Markt der Erde-Stadel inmitten Parndorfs statt, gab es im August 2010. Seitdem bieten jeden ersten und dritten Samstag im Monat Produzenten, die den Earth Market Prinzipien entsprechen, ihre Produkte beim nach wie vor einzigen Markt der Erde Österreichs an.

Auch immer mehr slowakische Besucher

Die Waren gibt es am Markt übrigens zu Ab-Hof Preisen und in letzter Zeit beobachtet Liehl immer mehr Besucher aus der Slowakei, die neben vielen Stammkunden aus Wien und der Umgebung nach hochwertigen Lebensmitteln Ausschau halten. „Der Markt entwickelt sich wirklich prächtig, unser Zenit ist noch lange nicht erreicht“, freut sich die Ziegenkäse-Produzentin und Marktmacherin. Es gebe vonseiten der Produzenten bereits so großes Interesse, dass sie auch schon Nein habe sagen müssen. „Wir sind im Burgenland in einer absolut glücklichen Situation, was Produzenten von hochwertigen Lebensmitteln betrifft“, merkt Liehl an. Ihr sei es deshalb auch ein Anliegen, mit ihrem Markt diese Vielfalt im Burgenland zu erhalten.