Erstellt am 03. September 2015, 13:42

Rekordsommer beschert Winzern mehr und besseren Wein. Die heimischen Winzer atmen auf: Trotz tropischer Temperaturen und wenig Niederschlag kann heuer mehr geerntet werden als im Vorjahr.

 |  NOEN, Roland Schlager (APA)
"Für 2015 rechnen wir mit einer Erntemenge von 2,4 bis 2,5 Millionen Hektoliter", sagte Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Die Statistik Austria prognostiziert ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Produktionsschnitt der letzten 5 Jahre. Demnach sollen etwa 1,5 Mio. Hektoliter Weißwein sowie 841.212 Hektoliter Rot- und Roséwein geerntet werden können.

Trauben in gutem Zustand

Weinliebhaber dürfen sich auf eine hochqualitative Lese freuen, alle Trauben seien in gutem Zustand. "Wir rechnen mit einem sehr guten, vollreifen Jahrgang mit einem etwas höheren Alkoholgehalt und geringerer Säure als 2014", so Schmuckenschlager.

So profitierten die Reben vom schönen Frühjahr, das gute Blütebedingungen mit sich brachte und vom dichten Wurzelwerk, wodurch auch in der tropischen Hitze genug Feuchtigkeit aufgenommen werden konnte. Gelitten haben Weinbaugebiete auf seichten Böden und junge Rebstöcke, die zum Teil abgeschnitten werden mussten. Bewässerungsanlagen liefen auf Hochtouren und vielfach wurde in die weinbautechnische Trickkiste gegriffen, um Hitzeschäden zu verhindern.

Optimaler Verlauf der Reifephase

Die Witterung im August meinte es mit den Winzern durchaus gut: Regen und eine allerletzte Hitzewelle ließen die Trauben optimal reifen. Die jetzigen kühleren Temperaturen wirken sich laut Schmuckenschlager zudem äußerst positiv auf die Aromaentwicklung aus, vor allem beim Rotwein werde eine hohe Qualitätssteigerung erwartet.

Lese läuft bereits um Neusiedlersee

Der Jahrhundertsommer sorgte dafür, dass rund um den Neusiedlersee schon jetzt eifrig gelesen wird. Die Hauptlese soll im Burgenland in der ersten Septemberhälfte starten, Niederösterreich und Steiermark folgen in der zweiten Monatshälfte. Nachdem die vorjährige Ausbeute - mit 25 Prozent unter dem Durchschnitt - an den Reserven gezehrt hat, entspannt sich die Situation und die Lagerbestände können heuer wieder mit reifen, kräftigen Weinen aufgefüllt werden.

Eine Neuerung für die Weinbauern bringt das beschlossene EU-Rebflächensystem, das ab 1. Jänner 2016 in Kraft tritt. Künftig dürfen Winzer nur dann einen Weingarten auspflanzen, wenn zuvor eine gleich große Fläche gerodet oder für diese Fläche eine Genehmigung eingeholt wurde. Pro Mitgliedsland dürfen Neuauspflanzungen bis zu 1 Prozent der gesamten Weinanbaufläche genehmigt werden. Damit kann laut Schmuckenschlager das österreichische Weinbaupotenzial langfristig erhalten bleiben, Wildwuchs wird verhindert.