Erstellt am 18. Januar 2011, 14:07

Rekordweizenpreise belasten Bäcker. Die österreichischen Bäcker geraten aufgrund der derzeitigen Rekordweizenpreise und anderer wichtiger Rohstoffe immer mehr unter Druck.

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"Wir haben die Preise erst im November um fünf bis acht Prozent erhöht und können unseren Kunden in den nächsten Monaten nicht schon wieder Kosten weitergeben", so der Wiener Bäcker Felber. ÖVP-Politiker wie Hermann Schultes und Elisabeth Köstinger fordern die Errichtung von Krisenlagern für Rohstoffe wie Getreide.

Der Weizenpreis hat sich Juli 2010 nahezu verdoppelt und notierte am Dienstag bei rund 256 Euro je Tonne. Die Dürre in Russland und die Flutkatastrophe in Australien haben die Preise in die Höhe schnellen lassen. "Wir haben eigentlich mit sinkenden Preisen gerechnet, jetzt werden die neuen Verträge aber wohl um bis zu 25 Prozent teurer", so Gerhard Ströck gegenüber dem Blatt: "Ich bin seit 1973 Bäcker, aber so etwas habe ich noch nie erlebt." Aufgrund der schwierigen Situation kann man laut Ströck weitere Preiserhöhungen nicht ausschließen.

"Es ist für die ganze Branche sehr schwierig, zumal ja auch andere Rohstoffe wie Kakao, Schokolade oder Erdbeeren gestiegen sind", so Kurt Mann gegenüber dem WirtschaftsBlatt. Es gebe - mit Ausnahme von Butter - keinen Rohstoff, der nicht um mindestens 30 Prozent teurer geworden sei. Schuld seien die Spekulanten: "In Österreich gibt es ja an und für sich genug Mehl." Auch Mann habe im Herbst "zum ersten Mal seit drei Jahren" die Preise erhöht. Eine weitere Anhebung sei jetzt unmöglich, stattdessen müsse man weiter Produktivität und Effizienz steigern.

ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Hermann Schultes, forderte in einer Aussendung am Dienstag erneut die "Anlage von Krisenlagern für Rohstoffe wie Getreide". Wegen der weltweit knappen Versorgung und der von Spekulation getriebene sprunghafte Anstieg der Preise sei "der beste Rat ist der Vorrat". Als unwahrscheinlich bezeichnete Schultes, dass der Spekulation mit Lebensmitteln durch Regulierung Einhalt geboten werden könne. Bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik GAP der EU nach 2013 sollten Lehren aus dieser Entwicklung gezogen werden. Die Anlage von Getreide-Krisenlagern sei zu einer Zeit versäumt worden wo Getreide und andere Agrarrohstoffe extrem billig gewesen seien: "Mittlerweile hätte sich die Anlage dieser Lager für den Staat eindeutig gerechnet".

"Interventionen und Lagerhaltungen sind die Mechanismen, die Marktmissbrauch und Spekulationstransaktionen einen Riegel vorschieben können", sagte Elisabeth Köstinger, Agrarsprecherin der Europäischen Volkspartei (EVP) im EU-Parlament in einer Aussendung. Durch den gezielten, weltweiten Aufbau von Nahrungsmittelvorräten und Notreserven könnte zusätzlich Druck abgebaut und zur Regulierung der Rohstoffpreise beigetragen werden", so Köstinger.