Erstellt am 07. Dezember 2012, 13:45

Roiss: Europa leidet unter Energiepolitik. Die Wettbewerbsfähigkeit von Europas Industrie leidet nach Ansicht von OMV-Chef Gerhard Roiss "massiv unter der Energiepolitik.

Die europäische Energiepolitik sei zu überdenken und Europa müsse sich energiepolitisch positionieren, wie das Amerika auch getan habe, forderte Roiss am Freitag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Derzeit sei Europa etwa in der Frage der Gasversorgung in einer Sackgasse.

Die Positionierung in der Frage der künftigen Gasversorgung müsse in den nächsten Jahren erfolgen, sagte Roiss. Die Erreichung der beschlossenen energiepolitischen Ziele "dauert dann zehn, zwanzig Jahre". Das Ziel der Unabhängigkeit von Importen sei schon unter Nixon in den 1970er Jahren formuliert worden. Es gehe auch um Arbeitsplätze, betonte Roiss. Wenn die energieintensiven Industrien einmal abgewandert seien, sei das nicht mehr so schnell umzukehren.

Derzeit sei Europa in der Frage der Gasversorgung in einer Sackgasse. Der Gasverbrauch gehe zurück. "Heute stehen die Gaskraftwerke auch in Österreich still - es gibt auch ein neues Gaskraftwerk, das nicht betrieben wird -, während die Kohlekraftwerke in Europa voll gefahren werden", sagte Roiss, auch mit amerikanischer Kohle. "Die CO2-Preise sind tief, auch das fördert das Verbrennen von Kohle."

Ein weiteres Problem seien die teuren langfristigen Lieferverträge bei gleichzeitig niedrigen Preisen an den Spotmärkten. "Wir importieren heute Gas, ich sage Index um 100 und verkaufen es um 80 weiter." Langfristig werde Gas aber der größte Energieträger sein, auch in Zentraleuropa, ist Roiss überzeugt. Daher brauche Europa europäisches Gas - sei es über Pipelines oder Schiefergas.

Mit einem Vorstoß zur Förderung von Schiefergas in Österreich hat sich Roiss bereits die Finger verbrannt. Er habe es als seine Pflicht angesehen, es zuerst im eigenen Land anzubieten, "ich würde es wieder tun", sagte Roiss. Nun setzt er sich für eine Diskussion über die Schiefergas-Förderung auf europäischer Ebene ein. Schiefergas gebe es in 15 der 27 EU-Länder. Im Moment gebe es keine Schiefergas-Projekte der OMV, man habe alle Ressourcen mit den Offshore-Projekten im Schwarzen Meer und in der Nordsee gebunden.