Erstellt am 04. September 2014, 12:20

Burgenländische Exportfirmen rüsten sich. Vertreter burgenländischer Firmen, die nach Russland und in die Ukraine exportieren bzw. wirtschaftliche Kontakte pflegen, haben sich am Donnerstag über die aktuelle Lage in den beiden Ländern unterhalten.

 |  NOEN, dpa
Derzeit sei man noch nicht von Sanktionen betroffen, hieß es vor Journalisten, aber man rüste sich. Aktuell gebe es noch keine Einschränkungen, auch nicht beim Transport, berichtete Andreas Leithner, Geschäftsführer der Wein-Lagerlogisitk GmbH aus Parndorf, bei einer Pressekonferenz in Eisenstadt. Man exportiere sowohl nach Russland als auch in die Ukraine, sogar ein leichtes Wachstum habe man verzeichnet.

„Schön ist es nicht, aber es wird auch so gehen"

Leithner warnte jedoch: „Es könnte jederzeit so weit sein. Es hängt sicherlich davon ab, wie global die Sanktionen von Russland aus entschieden werden." Konkret hoffe er, dass sich die wirtschaftliche Lage nicht verschlechtert und "Wein und die Getränke nicht auch in die Spalte der verbotenen Lebensmittel" reinfallen.

Reinhold Schärf von der Schärf Coffeeshop Company erklärte im Hinblick auf die unsichere Zukunft, man sorge vor. „Schön ist es nicht, aber es wird auch so gehen." Und auch Bernhard Wagner, Geschäftsführer der Zoerkler Gears GmbH & Co KG in Jois, meinte, sollte man von Sanktionen betroffen sein, wäre es zwar "keine Situation, die man von heute auf morgen regeln kann, aber irgendwie geht es immer weiter." Wagner hoffe auf eine "diplomatische und humanitäre Lösung".

Niessl sieht die aktuelle Lage als „Chance Österreichs, als neutrales Land aufzutreten, vermittelnd tätig zu sein, zum Dialog auch einzuladen und friedliche Lösungen zu finden." Zwar müsse hart daran gearbeitet werden, "aber ich finde, das ist sozusagen Aufgabe eines neutralen Landes, bei Konflikten vermittelnd aufzutreten und zu sagen: Wie können wir eine gemeinsame Lösung für Europa errichten. Wie kann man die Wirtschaftsbeziehung sowohl zur Ukraine als auch zu Russland aufrechterhalten."

WK-Präsident fordert mehrstufiges Krisen-Programm

Zum selben Thema äußerte sich am Donnerstag auch der burgenländische Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth in einer Aussendung. Er forderte ein "Krisenpaket" für die heimische Wirtschaft. „Es mehren sich Rückmeldungen von Unternehmen, die schon über hohe Auftragsausfälle berichten, in einzelnen Fällen sogar im mehrstelligen Millionenbereich. Es ist zwar bis dato kein Betrieb in seiner Existenz gefährdet - doch so weit soll es gar nicht kommen. Deshalb müssen wir schon jetzt für mögliche Verschärfungen gewappnet sein", so Nemeth.

Er fordere daher ein mehrstufiges Krisen-Programm. Kernstück solle ein Krisenplan sein, den die Bundesregierung rasch gemeinsam mit der Wirtschaft erarbeiten solle, um für den Fall weiterer und noch schärferer Sanktionen massive Einschnitte zu verhindern.

Im Rahmen des heutigen Gesprächs bei Niessl wurde nicht nur über die aktuelle Lage in den beiden Ländern gesprochen, sondern auch ein permanenter Wirtschafts-Beirat festgelegt. Dieser werde zwei- bis viermal im Jahr stattfinden, sagte der Landeshauptmann. Dabei sollen aktuelle Themen besprochen werden. Das erste Treffen werde Anfang Dezember stattfinden. Thema werde der Bürokratieabbau sein, verkündete Niessl.