Erstellt am 30. Dezember 2010, 13:30

Schlechte Weinernte bringt Preiserhöhungen. Die geringe österreichische Weinernte 2010 mit 1,76 Mio. Hektoliter und einem Minus von 30 Prozent zum langjährigen Durchschnitt hinterlässt deutliche Spuren in der heimischen Weinwirtschaft.

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Die Preise für österreichische Weißweine steigen aufgrund der schwachen Ernte vor allem im Billigsegment deutlich. Die mengenmäßigen Weinexporte gingen 2010 laut Schätzungen um 13,7 Prozent auf 60 Mio. Liter zurück, wertmäßig legte der Export hingegen um 2,6 Prozent auf den neuen Rekordwert von 122 Mio. Euro zu.

Man werde heuer im Export erstmals 2 Euro pro Liter erreichen, freute sich Willi Klinger, Geschäftsführer der Österreich Weinmarketing (ÖWM) am Mittwochabend. Im Vergleich dazu wurde im Jahr 2000 ein Liter für 1,12 Euro exportiert. "Die niedrige Ernten beschleunigen den Strukturwandel", sagte Klinger zur APA.

Zu einer der niedrigsten Erntemengen der Geschichte kam es im Jahr 2010 in Niederösterreich (-32 Prozent), im Burgenland (-27 Prozent) und in Wien (-30 Prozent) gegenüber dem fünfjährigen Durchschnitt. Die Steiermark verzeichnete einen Rückgang von rund 12 Prozent.

Bei Weißweinen seien aufgrund deutlich gestiegener Traubenpreise und geringer Lagerbestände Preiserhöhungen bis zu 35 Prozent möglich, so Josef Pleil, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes. "Im höheren Preisbereich flachen sich die Steigerungen aber ab", sagte der Weinexperte. Es würden rund 60 Mio. Liter Weißwein aus heimischer Produktion fehlen. Bei Rotwein gebe es aber genügend Vorrat und deswegen keine deutlichen Preiserhöhungen.

Ziel sei es, den österreichischen Konsumenten an ein gewisses Preisniveau gewöhnt zu haben, wenn wieder stärkere Weinernten kommen, so  Gerhard Wohlmuth vom Wein- und Spirituosenhandel in der Wirtschaftskammer Österreich. "Wein unter 2 Euro pro Liter zu verkaufen ist nicht zielführend", so Klinger.

Der mengenmäßige Marktanteil des österreichischen Weins im heimischen Lebensmitteleinzelhandel ging im Jahr 2010 um 1,7 Prozent auf 63,5 Prozent zurück. Wertmäßig konnte der Anteil aber gehalten werden. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Marktanteile mengenmäßig um 12,5 Prozent. Im Billigsegment werde man weiter Marktanteile verlieren, weil der Druck aus dem Ausland, unter anderem aus Spanien, sehr groß sei, so Pleil. "Es geht darum, den österreichischen Konsumenten bei der Stange zu halten", sagte der Chef des Weinbauverbands. Der heimische Weinkonsum blieb 2010 laut Statistik Austria stabil bei 2,4 Mio. Hektoliter.

Im Weinexport wirkte sich die kleine Erntemenge sehr deutlich aus. Laut den Exportzahlen der Statistik Austria für Jänner bis September 2010 und Hochrechnungen der ÖWM kam es bei den Fassweinexporten zu starken Einbrüchen von minus 44 Prozent bei der Menge und minus 34 Prozent beim Wert auf 11 Mio. Euro. Die hochwertigen Flaschenweinexporte konnten hingegen mengenmäßig um 10 Prozent und wertmäßig um 9 Prozent auf 111 Mio. Euro zulegen. Der Exportwertanteil der Flaschenweine am Gesamtexport sei auf 91 Prozent angewachsen, freut sich Klinger.

Weiterhin wichtigster Exportmarkt für österreichische Weine ist Deutschland mit einem Exportanteil von 58,3 Prozent. Von Jänner bis September 2010 gingen die Ausfuhrmengen nach Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,3 Prozent zurück, legten aber wertmäßig um 4,4 Prozent auf knapp 53 Mio. Euro zu. Leicht rückläufig waren die Exporte in die Schweiz inkl. Liechtenstein mit einem Minus von 1,2 Prozent auf 10,1 Mio. Euro. Deutlich stiegen die Exporte in die USA mit einem Zuwachs von 9,8 Prozent auf 5,9 Mio. Euro und in die Niederlande mit 15,5 Prozent Plus auf 3 Mio. Euro sowie nach Schweden um 4,6 Prozent auf 2,4 Mio. Euro.

Von strategischer Bedeutung für Österreichs Weinwirtschaft sei der Aufbau von neuen Märkten außerhalb der Europäischen Union wie zum Beispiel in Russland, China und Singapur, so die ÖWM. Die österreichischen Weinexporte nach Russland stiegen bis September 2010 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 280 Prozent auf 548.000 Euro.