Erstellt am 30. Januar 2012, 15:41

Schlecker-Insolvenzverwalter sieht Chancen. Die insolvente deutsche Drogeriekette Schlecker soll noch eine Chance bekommen - die einstige Milliardärsfamilie steht allerdings mit leeren Händen da.

epa03069204 An image showing a German drug strore giant Schlecker drug store in Munich, Germany, 20 January 2012. Schlecker has confirmed its self-administered insolvency plans on Friday. The insolvancy application was filed for at short notice. Schlecker is trying to retain a large part of the thousands of stores and approximately 30,000 jobs in Germany. EPA/PETER KNEFFEL  |  NOEN, PETER KNEFFEL (DPA)
"Aus meiner Sicht gibt es einen guten Kern", sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Montag am Stammsitz in Ehingen bei Ulm. Meike Schlecker, Tochter des Unternehmensgründers, erklärte, die Familie habe große Teile ihres Privatvermögens bereits in die Restrukturierung der Kette gesteckt. "Es ist nichts mehr da." Geiwitz betonte laut Schlecker-Mitteilung: Die Insolvenz bedeute "in der Konsequenz die Privatinsolvenz von Anton Schlecker".

Von den gut 6.000 Filialen der Drogeriemarktkette würden einige hundert unprofitable geschlossen, kündigte Schlecker-Finanzchef Sami Sagur an. Um die Forderungen der Gläubiger zu bedienen, stünde auch das Auslandsgeschäft des Familienunternehmens zur Disposition. Die Auslandstöchter, darunter Schlecker-Österreich, haben bisher noch keine Insolvenz angemeldet. Hierzulande betreibt Schlecker 970 Filialen mit rund 3.000 Mitarbeitern.

Den heimischen Mitbewerbern dm und BIPA wird aufgrund der geringen Schlecker-Filialgrößen kein allzu großes Interesse an Standorten nachgesagt. Auch die drittgrößte deutsche Drogeriemarktkette Rossmann hatte vergangene Woche eine Expansion nach Österreich ausgeschlossen. Experten sehen die Zukunft für Schlecker-Österreich daher "sehr skeptisch". Hierzulande befinde sich die Drogeriemarktkette nicht in einem Insolvenzverfahren, aber dass sie nicht betroffen sei, könne man nur schwer behaupten, so ein Brancheninsider zur APA. Seit 10 Tagen gebe es von der Schlecker-Geschäftsführung in Österreich keine Informationen zur Situation hierzulande. "Das Schweigen ist nicht positiv zu interpretieren", hieß es zur APA.

Die Drogeriekette hatte in Deutschland vor einer Woche Insolvenzantrag gestellt, nachdem ein kurzfristiger Zahlungsausfall in zweistelliger Millionenhöhe nicht aufgefangen werden konnte. Das Unternehmen und die Familie habe kein Geld mehr bereitstellen können, um den weiteren Betrieb zu gewährleisten. "Wenn noch 100 Millionen im Schrank liegen würden, wäre es zu diesem Verfahren nicht gekommen", erklärte Geiwitz.

Der vorläufige Insolvenzverwalter soll nun weitreichende Befugnisse bekommen, um den Fortbestand der Drogeriekette zu sichern. Zunächst könnten nun die Mieten der Läden bezahlt werden, da das Amtsgericht Ulm ihn zum sogenannten starken vorläufigen Verwalter gemacht habe. Hoffnungen gibt es auch, dass die Lieferanten mitziehen. "Alle Lieferanten haben sehr schnell zu verstehen gegeben, dass sie ein großes Interesse am Weiterbestehen der Drogeriekette Schlecker haben", erklärte Geiwitz. Nicht nur mit Markant, sondern mit einer insgesamt dreistelligen Zahl von ihnen habe er mittlerweile eine Einigung erreicht. Diese sei nicht zeitlich befristet.

Meike Schlecker erklärte, sie wolle mit Gerüchten aufräumen, ihre Familie habe Geld zur Seite geschafft. "Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen", sagte sie. Ihre Eltern, sie und ihr Bruder Lars hätten große Teile ihres Privatvermögens bereits in die Restrukturierung der Kette gesteckt. Wegen der Unternehmensform "eingetragener Kaufmann" (e.K.) stünden Anton Schlecker und seine Familie für die vor einer Woche angemeldete Insolvenz gerade, erklärte Geiwitz.

Nach seinen Worten ist noch offen, ob es einen Insolvenzplan gebe - mit den Gläubigern liefen entsprechende Gespräche. Eine Rettung könne aber nicht funktionieren, wenn möglichst viele Geschäfte geschlossen würden. Die Nähe zu den Kunden sei nun einmal das Geschäftsmodell.

Geiwitz revidierte bisherige Zahlen der Drogeriekette - es seien mehr als 6.000 Filialen in Deutschland mit rund 32.000 Mitarbeitern. Zuvor war noch von knapp unter 7.000 Filialen die Rede. Der Großteil davon schreibe schwarze Zahlen, sagte Schlecker-Finanzchef Sami Sagur. Zum Umsatz und Ausmaß der Verluste schwieg sich die Unternehmensspitze weiter aus.

Eine finanzielle Erleichterung sei unter anderem das Insolvenzgeld, das durch die Sparkasse Ulm vorfinanziert worden sei: "Wir müssen allein in den nächsten zwei Monaten 100 bis 150 Millionen Euro an Löhnen und Gehältern nicht bezahlen", sagte Geiwitz. Eigentlich sei dies erst fällig, wenn das Insolvenzverfahren eröffnet werde. Er gehe davon aus, dass dies Ende März oder Anfang April passieren werde. Doch das liege in den Händen des Amtsgerichts Ulm.