Erstellt am 24. Januar 2012, 09:05

Schlecker vor Gesprächen mit Lieferanten. Bei der insolventen deutschen Drogeriekette Schlecker sollen am heutigen Dienstag Gespräche mit den Lieferanten aufgenommen werden.

Dies kündigten der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz und das Unternehmen am Montag an. "Ich bin zuversichtlich, dass die uneingeschränkte Betriebsfortführung kurzfristig sichergestellt werden kann", erklärte Geiwitz am Abend.

Ziel sei es, "mit Familie, Management und Lieferanten eine Einigung herbeizuführen und zusammen eine zukunftsfähige Lösung zu erarbeiten". Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter und auch die Zahlung der Gehälter sei gesichert.

Der Insolvenzverwalter hatte am Montagmittag seine Arbeit aufgenommen und begonnen, die Bücher der Kette zu sichten. Das Amtsgericht muss nun zunächst feststellen, ob die Voraussetzungen gegeben sind, das Insolvenzverfahren überhaupt zu eröffnen und in welcher Form es ablaufen wird. Bei der angestrebten Planinsolvenz würde ein Verwalter eher zum Berater, während er bei einer regulären die Zügel in den Händen hält.

Schlecker soll trotz Insolvenz in Familienhand bleiben. Mit diesem Anspruch geht das Unternehmen in die Gespräche mit seinen Gläubigern, nachdem es am Montag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Ulm gestellt hatte. Zehntausende Mitarbeiter bangen derweil um ihre Jobs. Denen sagte Schlecker allerdings zu, man fühle sich "tarifvertraglichen Regelungen verpflichtet".

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht gute Chancen für Schlecker-Beschäftigte: "Die Arbeitsagenturen haben aber bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass sie in solchen Fällen schnell reagieren und die Betroffenen gut unterstützen können, zum Beispiel bei der Quelle-Insolvenz", sagte Weise der "Passauer Neuen Presse" (Dienstag). "Die Arbeitskräftenachfrage im Einzelhandel ist derzeit hoch, so dass die Chancen gut sind", fügte er hinzu.

Europaweit arbeiten mehr als 40.000 Menschen bei Schlecker, etwa 30.000 davon in Deutschland. In Österreich betreibt die Drogeriekette 970 Filialen mit 3.000 Mitarbeitern. Das Auslandsgeschäft ist von der Insolvenz laut Unternehmensangaben nicht betroffen.