Erstellt am 12. Oktober 2011, 09:33

Schuldenkrise greift auf Stahlsektor über. Europas Stahlhersteller bekommen die Folgen der unsicheren Finanzmarktlage zu spüren und müssen sich bereits auf eine maue Preisrunde einstellen. "Steigende Preise sind fürs Erste nicht zu erwarten", sagte voestalpine-Chef Wolfgang Eder im Interview mit der "Financial Times Deutschland". Anders als in früheren Jahren habe sich die Nachfrage im September nicht belebt.

Besonders betroffen sei die Haushaltsgeräteindustrie, so Edere. Der Preisverfall am Spotmarkt könnte sich aber auch auf die bevorstehenden Verhandlungen mit Autoherstellern über längerfristige Verträge auswirken. "Die Verunsicherung der Konsumenten durch die Schuldenkrise beginnt die Realwirtschaft zu beeinträchtigen", warnt Eder im Vorfeld der Weltstahlkonferenz, die am Mittwoch in Paris beginnt. Allzu großen Druck auf die eigene Marge erwartet er dennoch nicht, da auch die Rohstoffkosten in den nächsten Wochen erstmals seit Längerem sinken würden.

Wegen der zunehmenden Unsicherheit erwartet Eder in den 27 EU-Mitgliedsstaaten in den nächsten beiden Jahren nur noch eine stagnierende Stahlproduktion. Für seinen eigenen Konzern wappnet sich Eder für die verschiedensten Krisenszenarien mit Notfallplänen - der negativste kalkuliert mit einer Auslastung von nur noch 60 Prozent. Davon ist die voestalpine allerdings weit entfernt: Bis Weihnachten seien die eigenen Kapazitäten noch zu 100 Prozent ausgelastet, sagte Eder. Sollte sich die Situation verschlechtern, werde das Management bis Mitte November entscheiden, ob die Produktion im ersten Quartal 2012 gedrosselt werden muss.